Das Jahr ist verflossen und der Weihnachtsabend ist wiedergekommen. Eben als es dunkeln wollte, hielt ein eleganter Wagen vor der Thür des Fabrikanten. Alfred von Gravenstein hob seine junge Frau heraus, die mit schnellen Schritten ins Haus eilte.

Wo ist mein Vater, fragte sie?

Oben im Saale, erwiderte die Haushälterin in seliger Geschwätzigkeit. — O! der liebe Herr hat den ganzen Tag gewartet und geseufzt. Endlich ist er allein hinauf gegangen, um den Christbaum anzuzünden.

Clara flog die Treppe hinauf. Da brannte der helle Baum. Es war wie es sonst war, aber der alte Mann stand, die Hände gefaltet allein in dem stillen Saale. Ein Ruf, ein lauter Schrei, und Clara lag an seinem Herzen. Er hielt sie in seinen Armen, er faßte ihren Kopf in beide Hände, um sie zu betrachten, bis seine feuchten Augen sie nicht mehr erkennen konnten.

Du bist glücklich, mein geliebtes Kind? fragte er.

Unaussprechlich glücklich, Vater! Alfred lebt für mich; gar Vieles ist anders geworden in ihm!

Herzer lächelte froh dem jungen Manne zu, der heiter und stattlich vor ihm stand.

Aber mein Bruder! fragte Clara. Wie geht es ihm?

Gut, sagte Herzer, alles gut! Ich habe heut einen Brief von ihm. Unser Geschäft gedeiht, er ist zufrieden. Seinen Brief an Dich baue ich Dir auf, sammt einem Glückwunsch von Mertens und seiner Frau. Du weißt, Felix hat sie beide nachkommen lassen und es geht ihnen gut alleweil, rief er lachend. Alle wirst Du wiederfinden, fuhr er dann fort, nur Einer hat das Zeitliche verlassen, Herr Zippelmann. Der ist selig gestorben, ohne die deutsche Einheit zu erleben und hat sein ganzes Vermögen Elisen vermacht, das heißt der Frau Geheimen Regierungsräthin Stephani.

O! wohl bekomm’ es ihr, rief Clara, Alfred umarmend. Nicht wahr, wir haben nichts dagegen?