Gewiß, lieber Vater, er kam spät; ich glaube jedoch nicht, daß es zehn Uhr war.
Unsinn! fuhr der Geheimrath, die Hände reibend, fort. Gravenstein ist gestern erst hier angekommen, er ist seit Jahren nicht hier gewesen, wer sollte ihm auflauern? — Die ganze Geschichte scheint mir, offen gestanden, wenig auf sich zu haben; vielleicht kommt uns nähere Aufklärung durch weitere Nachforschungen und jedenfalls haben wir nichts mehr damit zu thun. Wir lassen die Damen Toilette machen, Herr Kommissar, sobald sich jedoch irgend etwas ermittelt, hoffe ich es von Ihnen zu hören, während wir in der Stille ebenfalls unser Heil versuchen wollen.
Nach einigen scherzenden Worten begleitete er den Beamten hinaus, aber im Vorzimmer hielt er ihn plötzlich fest.
Ich bin dennoch beunruhigt, sagte er, denn eine Möglichkeit ist allerdings vorhanden, daß die energische patriotische Gesinnung unseres jungen Freundes ihm wüthende Feinde gemacht hätte. Jedenfalls würde es gut sein, ihn genau zu beobachten.
Wo wohnt er? fragte der Kommissar.
Für jetzt noch im russischen Hofe, aber er wird heute oder morgen eine Privatwohnung nehmen.
Ich werde dafür sorgen, daß ihm keine Gefahr zustößt, sagte der Kommissar zuversichtlich.
Sie werden mich auf’s Erkenntlichste verbinden, erwiederte der Geheimrath, ihm die Hand drückend, wenn Sie bestmöglichst für ihn sorgen.
Er soll keinen Augenblick ohne eine Sicherheitswache sein.
Aber er darf nichts davon merken, fuhr Wilkau leise fort. Er ist stolz und empfindlich.