Die darauf ein heiliges Recht besitzen, wie ich die Ehre habe zu bemerken, rief der Professor, indem er eine rednerische Stellung einnahm und mit Würde umherblickte. Wir Alle sind die Söhne einer großen Mutter, die Kinder eines Vaters, der seinen Geschöpfen das Gefühl gegeben hat, glücklich zu sein. Leider gelingt dies aber Vielen nicht; so ist es denn Pflicht der glücklichen Brüder, ihnen die Hand zu reichen und sie emporzuheben.
Edle Grundsätze! sehr edle Grundsätze! sagte die Geheimräthin, indem sie Alfred anblickte.
Hehe! schrie Zippelmann grinsend dazwischen, sehr edle Grundsätze! Aber je mehr man giebt, je mehr soll man geben, und je schlechter die Aussichten, je schlechter sind die Menschen. Geben, herausgeben, theilen, ungerechten Mammon abnehmen, das nennen sie soziale Gedanken. Ich gebe recht gern, wenn es sein muß, aber ich sage Ihnen, was heut geschieht, um zu zeigen, daß wir unsere armen Brüder lieben, wird über’s Jahr von den lieben Brüdern gefordert werden und noch etwas dazu. Es ist akkurat so, wie mit der deutschen Einheit.
Sie vergessen, Herr Zippelmann, sagte der Professor stolz, daß es unsere Pflicht ist, den Verlassenen Trost zu bringen.
Sie zu wahren Menschen zu machen durch unser Beispiel, sprach der Geheimrath.
Sie zu uns zu erheben, wie der Professor so schön sagt, fuhr seine Gemahlin fort. Ihre Herzen der Tugend und der Liebe zu öffnen.
Ja, rief der Professor mit Energie, das ist die Aufgabe unseres Lebens: Liebe auszusäen, den Haß zu vernichten, brüderliche Gefühle in die Herzen zu bringen und einen Bund zu errichten, der uns Alle zu glücklichen Menschen, das heißt zu Kindern Gottes macht. Ich habe die Ehre Ihnen zu bemerken, daß ich manche meiner Freunde schon auf dem Wege fand, den Herr Zippelmann geht. Noch gestern äußerte mein Freund, der Oberst von Arnstein: alle unsere Vereine und Bestrebungen würden doch nichts helfen, und ein anderer meiner Freunde, Graf Buchholz, meinte, man verwöhne nur damit den großen Haufen, der uns an der Nase umherführe. Ich bewies beiden jedoch so eindringlich ihr Unrecht, daß sie mir mit tiefer Rührung die Hände reichten.
Hehe! sagte Herr Zippelmann, es ist aber doch wahr. Sie nehmen das Geld und die Geschenke und behalten ihre schlechte Gesinnung bei, nachher wie vorher. Die sitzt fest bei dem Volke. Es giebt nur Ein Mittel, um die Demokraten los zu werden, das besser ist, als alle Weihnachtsgaben. Ein einziges praktisches Mittel.
Welches Mittel? fragte der Professor angeregt.
Aufhängen! rief Herr Zippelmann vergnügt, einfach aufhängen! Hehe, was meinen Sie, Herr Geheimrath. Wüßten wir beide nicht ein Paar, die gleich baumeln sollten?