Wenn Du uns beide ansiehst, Anton, sagte die Frau, müßte es Dir doch einfallen, daß es gut wäre für uns Alle, wenn Du es machtest, wie es so Viele gemacht haben.

Ihre letzten Worte verloren sich unter dem erschütternden Rollen mehrerer Wagen, die schnell hintereinander vorüberfuhren.

Sakerment! rief der Schuhmacher, was ist das heut für Spektakel. Wir wohnen doch hier um die Ecke und bekommen den Lärm erst aus zweiter Hand, aber es ist als ob die Steine sich bewegten.

Die Herrschaften fahren nach Haus, erwiederte die Frau.

Hole sie der Henker! brummte Anton vor sich hin. Was ist denn eigentlich heute los bei Geheimraths?

Es ist ein Ball oder so etwas, sagte sie. In allen Zimmern brannten die Kronen als ich vorüberging und gefährlich viel Wagen und Menschen standen vor dem Hause.

Dazu haben sie immer Zeit und Geld, meinte der Schuhmacher mit einer gewissen zornigen Betonung.

Du würdest es auch nicht besser machen, wenn Du Geheimrath oder Baron wärst, fiel sie ein.

Hast vielleicht Recht, Guste, sagte er lachend, alleweil ist blos schade darum, daß ich es nicht bin. Aber wenn ich es wäre, würde ich doch meinen Mitmenschen das Leben nicht saurer machen, wie es schon ist; würde mich hüten, es so zu machen, wie sie es mir anthun. Ließe Jeden denken und meinen und glauben was er Lust hat und thäte mich blos darum bekümmern, macht der Anton Mertens mir gute Stiefeln und Schuhe, so ist er mir recht. Mehr kann ich nicht von ihm verlangen.

Ja, wenn Du auch so denkst, rief die Frau, andere Leute sind nun einmal nicht anders; ihre Gründe haben sie auch und mit dem Kopf durch die Wand ist noch Keiner gekommen. Man sieht es ja, wie Viele untergehen oder wenn sie klug sind bei Zeiten zu Kreuze kriechen; wer aber nichts hat und doch nicht klug sein will, der muß nicht Andere anklagen.