Anton antwortete nicht. Er warf seine langen Haare von der Stirn zurück, schüttelte den Kopf dabei und arbeitete eifrig weiter.
Ich habe es Dir nicht gesagt, fuhr seine Frau fort, aber gestern begegnete ich der Frau Geheimräthin und Fräulein Elise auf der Straße. Nun, wie geht’s Auguste? fragte sie, als ich bei ihr vorüber ging und grüßte. Nicht zum allerbesten, sagte ich. Ist Jemand bei Euch krank? fragte sie. Gott sei Dank! gesund sind wir Alle, sagte ich, aber das Geschäft geht schlecht, wir haben viele Kunden verloren; dazu ist mein Kind jetzt unruhig von wegen der Zähne, helfen kann ich Anton auch nicht so viel, wie ich möchte, denn Wirthschaft und Hausstand verlangen Ordnung und nehmen mehr Zeit fort, wie man denkt. So haben wir denn mancherlei Sorgen, obwohl es an Fleiß nicht mangelt. Da seid Ihr selbst schuld, gab sie zur Antwort. Lieber Gott, ich bin gewiß nicht schuld, sagte ich. Nein, Du nicht, sagte sie, Du bist immer vernünftig gewesen, aber Dein Mann taugt nichts.
Donnerwetter! rief Anton ärgerlich lachend, indem er mit seinem Stiefel aufklopfte. Das sagte die alte Hexe Dir ins Gesicht?
Bsch! winkte Guste, wecke das Kind nicht auf.
Er ist fleißig und ordentlich, sagte ich, ich kann nicht über ihn klagen.
Aber er hat keinen Glauben und keine Gesinnung, rief sie so laut, daß ich mich schämte, und das muß ein Mann haben, mit dem man sich einlassen soll.
Als ob ich mich mit ihr einlassen wollte, rief der Schuhmacher.
Liebe, gnädige Frau Geheimräthin, sagte ich, Anton macht seine Arbeit doch gewiß gut und immer sind Sie uns gewogen gewesen, und haben viel für uns gethan.
Aber ich habe nur Undank davon gehabt, fuhr sie auf. Der Geheimrath hat Deinen Mann erziehen lassen, wie sein Vater starb, der es auch wohl verdient hat, daß man sich um das Kind kümmerte, denn er war zwanzig Jahre lang ein treuer Diener. Wir haben Anton in die Schule geschickt, haben ihn in die Lehre gebracht, ihn unterstützt, wo es nöthig war, und aus meinem Hause hat er Dich geheirathet. Was ich damals gethan habe, will ich nicht weiter erwähnen, aber der Geheimrath lieh Euch obenein zweihundert Thaler zu Eurem Geschäft, und wie wir nur konnten, sorgten wir, daß Ihr Kunden bekamt. Für alle diese Güte habt Ihr oder Dein Mann, uns schlecht vergolten. Er hat im vorigen Jahre alle die Tollheiten und Dummheiten mitgemacht.
Ach, gnädige Frau, sagte ich, das haben ja so Viele damals gethan, die weit mehr bedeuten, wie er.