Das war recht, Guste! rief der Schuhmacher jubelnd, hast ihr Eins drauf gegeben wie sich’s schickt. Ich habe den Geheimrath selbst reden hören damals, als wäre er dunkelroth bis in die Nieren. Eine dreifarbige Kokarde hatte er am Hut, dreimal so groß wie meine; auf die Wache ist er gezogen, obwohl er es gar nicht nöthig hatte, und was ich damals zu ihm sagte, war ihm noch lange nicht links genug.
Sie mochte es auch wohl merken, daß es ein Stich sein sollte, fuhr die Frau fort, denn sie sah mich groß an, aber ich machte ein unschuldiges, betrübtes Gesicht. Höre, sagte sie, an vergangenen Dingen läßt sich nichts ändern, was geschehen ist, ist geschehen, aber jetzt, wo die Vernunft wiederkehrt, ist es doppelte Sünde und Schande, noch zu den Unvernünftigen zu gehören. Und das sage Deinem Mann und thue dazu, wie eine Frau, die weiß, was Recht ist. Er soll Einsehen haben, es ist die höchste Zeit. Wir haben ihm seit längerer Zeit unsere Arbeit entzogen, und das aus gutem Grunde. Ebenso haben es unsere Freunde gethan, und jeder rechtliche Mensch wird es thun. — Man giebt Denen nur Arbeit und Verdienst, die sich als rechtschaffene Leute erweisen, es nicht mit den Rotten der Elenden halten, die alle Ordnung vernichten, alle Pfeiler der menschlichen Gesellschaft umstürzen wollen.
Daß dich die Pest! murmelte Anton. — Die verfluchten Aristokraten!
Ach du mein Gott! gnädigste Frau Geheimräthin, sagte ich, Anton ist ein ruhiger, bescheidener Mann.
Er hat sich geweigert, in den patriotischen konservativen Verein zu treten, gab sie zur Antwort, obwohl ich es ihm dreimal gesagt habe. Auch Elise hat es ihm wiederholt gesagt, nicht wahr, Elise?
Das Fräulein sah mich stolz an und sagte dann: halte Dich nicht weiter auf, Mutter, wir müssen weiter. Herr Anton Mertens hat mir geantwortet, er könne sein Gewissen doch nicht verkaufen; so mögen denn seine Gesinnungsgenossen für dies zarte Gewissen sorgen.
Die ist von der rechten Sorte, rief Anton.
Nun geh, sagte die Geheimeräthin, fuhr die Erzählerin fort. Ich habe immer noch Mitleid mit Euch. Schicke Deinen Mann in den Verein, und wenn er sich aufrichtig bekehrt, so wollen wir sehen was zu thun ist. Sonst aber glaube mir, Auguste, es sollte mir leid um Dich thun, aber es kommt noch schlimmer. Die zweihundert Thaler fordert mein Mann zurück; es hat schon geschehen sollen und kann morgen so kommen. Stürzt Euch nicht muthwillig in’s Elend.
Die hartherzigen, erbärmlichen Menschen! schrie Anton wild. Die wollen Christen sein?
Aber Du kannst es doch auch thun, sagte die Frau. Warum willst Du ihnen denn den Gefallen nicht erzeigen? Du gehst in den Verein, da sind viele vornehme und reiche Leute. Sie drücken Dir die Hände, klopfen Dir auf die Schulter, loben Dich, trinken sogar mit Dir und bezahlen es obenein, und Du hast nichts dafür zu schaffen, als zuzuhören, was sie sagen. Du weißt doch, was uns neulich erst Dein Freund Peschke davon erzählte, der doch auch hingegangen ist.