Was ist denn da los? rief der Schuhmacher, indem er seine Arbeit sinken ließ und aufhorchte.

Ein dumpfer Lärm mehrerer Stimmen drang von der großen Straße herüber. Gleich darauf erscholl ein wildes Geschrei, dem ein scharfes, schnell wiederholtes Pfeifen folgte.

Es müssen welche arretirt werden sollen, sagte Anton aufspringend.

Vielleicht sind es Spitzbuben, fiel die Frau ein.

Hörst Du nichts? Es kam mir vor, als ob Gewehre klirrten.

Daß Du hier bleibst, Anton, sagte sie bittend und befehlend, indem sie die Hände nach ihm ausstreckte.

In diesem Augenblicke fiel ein Schuß. — Allmächtiger Gott! sie schießen, schrie sie auf. Du rührst Dich nicht, Anton. Sie hielt ihn am Aermel fest und faßte mit der andern Hand nach der Wiege, wo das Kind weinend aufgewacht war.

Laß mich los; sagte er, ich will bloß an der Kellerthür hören, was los ist. Nicht einen Schritt gehe ich weiter.

Mit einer raschen Bewegung war er frei, und ohne weiter auf das Rufen seiner Frau zu hören, sprang er durch den dunklen Raum, wo er seine Waaren feil hielt, die Treppe hinauf, schob den Riegel von der Thür und öffnete vorsichtig in demselben Augenblick, wo ein athemloser Mensch in diese Oeffnung und in seine Arme stürzte.

Um ein Haar wäre Anton mit seiner Last rückwärts übergeschlagen, aber er hielt sich an dem Ringe der Thür fest, die dadurch sogleich wieder zuschlug. So stand er einige Minuten lang, während draußen viele Männer wild schreiend vorübereilten. Dann schob er leise die Riegel wieder vor und flüsterte dem Flüchtling ein paar Worte zu, die ohne Antwort blieben. Dieser lag mit den Armen um Antons Nacken, der Kopf hing über dessen Schulter; er faßte ihn mit aller Kraft um den Leib und trug ihn die Stufen hinunter.