Alfred wandte sich langsam um. Die Antwort, welche er erhalten hatte, war im wegwerfenden Tone gegeben, und vor ihm stand nun ein Mann, dessen Anblick seine Vorsätze nicht änderte, der aber doch einen ungewöhnlichen Eindruck auf ihn machte.

Der Fabrikant hatte noch dasselbe kluge und ernsthafte Gesicht, an dessen gerade und strenge Züge er sich eben jetzt deutlich erinnerte, aber die großen dunklen Augen blickten unter völlig ergrauten Augenbrauen mit funkelnder Schärfe hervor, und silberglänzendes Haar fiel in dichten Büscheln auf seine von Arbeit und Sorgen gefurchte Stirn. Seine knochige und eckige Gestalt trug dieser alte Herr jedoch trotz aller Zeichen des Alters fast jugendlich aufrecht und bewahrte eine würdevolle Form, als er bei dem Ausruf seines Sohnes sich grüßend vor dem Fremden neigte.

Ich habe mich erwarten lassen, sagte er, vergeben Sie, es war mir unmöglich, sogleich abzukommen. Darf ich fragen, was Sie zu mir führt?

Bei dem letzten Worte streckte er plötzlich beide Hände wie in freudiger Ueberraschung aus, legte die eine auf Alfreds Arm, mit der anderen ergriff er die zuckende Rechte des jungen Edelmanns und sagte ohne Verlegenheit und Erschrecken: Jetzt erkenne ich Sie, Herr von Gravenstein. Ja, Sie sind es, obwohl Sie in den Jahren, wo ich Sie nicht sah, sich viel verändert haben. Aber es sind die Züge Ihrer verewigten Mutter, meiner edlen, unvergeßlichen Freundin. Sie haben ihre Augen, mögen Sie in Allem ihr gleichen.

Jetzt beginnt die Lügenkunst des alten Heuchlers! rief eine Stimme in Alfreds Herzen, und mit einem messenden, kalten Blick betrachtete er die Rührung, von welcher der Fabrikant ergriffen schien, und die Hand, welche seinen Arm noch immer festhielt und drückte.

Sie werden mich vielleicht nicht erwartet haben? fragte Alfred.

Gewiß, ich habe Sie längst erwartet, erwiderte Herzer. Ihre letzte Antwort wies mich darauf hin, und in Betracht der zwischen uns obwaltenden Verhältnisse mußte ich Ihren Besuch recht bald voraussetzen.

Diese Verhältnisse sind es allerdings, welche mich zu Ihnen führen, gab Alfred zurück, ich komme jedoch später als ich wollte.

Am letzten Tage des Ablaufs der Zeit, sagte der Fabrikant lächelnd, aber wären Sie auch später gekommen, ich meine, es würde zwischen uns nichts geändert haben. — Ich sprach noch gestern mit meinem Sohne davon. Es ist mein Sohn Felix, Herr von Gravenstein, ich glaube, Sie haben ihn früher wenig oder gar nicht gesehen. Er war damals noch auf der Schule in Pforta, dann in auswärtigen Geschäften und erst seit einigen Jahren habe ich ihn ab und zu wieder hier.

Der junge Herzer hatte die Feder fortgelegt und sich umgewandt zu den Sprechenden. Ich erinnere mich in der That nicht, sagte Alfred, sich frostig verbeugend.