Eifersucht ist Schwäche und Mißgunst, rief sie lachend.
Ich glaube kaum, daß Liebe ohne Eifersucht denkbar ist, erwiderte er. Es kommt nur darauf an, nicht eifersüchtig ohne Grund zu sein.
Aber was nennen die Eifersüchtigen nicht Gründe? sagte Elise zärtlich und spottend. Ich bitte Dich, Alfred, vertraue mir ganz; nur um des Himmelswillen keine Othellolaunen! Ich will Dich lieben, treu wie Desdemona; aber Du wirst mich doch nicht einsperren, nicht etwa aus lauter Liebe und glühender Hingebung in irgend einen alten Thurm stecken und von einem Jago bewachen lassen.
Ihre Betheuerungen und Bitten hatten so viel Schelmisches und Komisches, daß Alfred lachend sie erwiderte und dann in einem langen Gespräche ihr die schönsten Aussichten für die Zukunft öffnete. Er wollte eine glänzende Wohnung für den Winter und für alle Winter miethen. Im Frühjahr wollten sie auf seinem Gute wohnen, im Sommer eine Schweizerreise machen, im Herbst am Rhein leben, und Elise malte sich diese Panoramen ihres Glückes nach allen Seiten aus. Der reiche, vornehme Mann ließ sie vergessen, daß er nicht schön war; sein verständiges Denken und Wissen setzte sie darüber fort, daß es wohl geistvollere und angenehmere Anbeter gäbe; seine politische Laufbahn, die eine glänzende Zukunft ankündigte, reizte ihre Eitelkeit und diese war überdies angereizt genug, denn sie sah Neid und Mißgunst unter manchen Glückwünschen deutlich hervorschimmern und wußte, daß die Partie überall als eine außerordentlich gute betrachtet wurde.
Endlich kam der Geheimrath voll guter Laune und Frohsinn herein, und nach einigen lustigen Fragen forderte er beide auf, mit ihm einen Spaziergang zu machen. — Ihr müßt Euch präsentiren, Kinder, sagte er. Wir gehen ein Stündchen auf die Promenade bis an die neuen Rutschberge. Die Sonne scheint warm, die ganze gute Gesellschaft ist auf den Beinen. Alles will rutschen und Schlittschuh laufen. Wir werden gewiß viele Bekannte finden; nimm Deine Schlittschuhe mit, Elise, Alfred muß schon sehen, wie gut er selbst auf glattem Eise mit Dir fortkommt. Aber geschwind, Mädchen, die Mutter wird gleich im vollen Staat ihrer Zobelbehänge hier sein.
Alfred sah ernstlich aus; das Schlittschuhlaufen war seine Sache nicht.
Stellen Sie sich vor, sagte Wilkau, was einmal das naseweise Ding, die Clara Herzer, zu mir über die Zobelmuffen und die Palantinen meiner Frau und Elisen seufzte: Es ist mir ein trauriger Gedanke, sagte sie, wenn ich diesen theuren Pelz sehe, weil ich dabei unwillkürlich der Unglücklichen mich erinnere, die, in die sibirischen Einöden von einem Despoten verbannt, fern von Allen, die sie lieben, verschmachten müssen.
Der Geheimrath lachte; Alfred von Gravenstein aber faßte mit einer plötzlichen Handerhebung an die Brusttasche seines Kleides, als werde er an etwas erinnert. Er erwiderte jedoch nichts, und in derselben heiteren Laune fuhr der Schwiegervater fort: die Narrheit dieser zarten Seele ging sogar so weit, daß sie einen Zobelmuff ausschlug, den meine Frau ihr verehren wollte. Sie witterte an jedem Haar einen demokratischen, polnischen Zobelfänger, der nach Sibirien durch die Gnade des Kaisers versetzt, dort interessante Zobeljagden anstellen darf.
Es scheint recht üblich zu werden, daß Damen Schlittschuh laufen? fiel Alfred ein.
Sehr üblich, sagte der Geheimrath. Die Sache sieht demokratisch aus, ist es aber keineswegs. Die Damen der haute-volée haben es aufgebracht und nachmachen läßt es sich nicht ganz leicht, denn es gehört Zeit, Geschick und Ausdauer dazu. Elise läuft vortrefflich, Sie werden sich freuen.