Am Abende, als Lampen- und Lichtschein aus allen großen und kleinen Fenstern schimmerten, saß auch Anton Mertens neben seiner Frau an dem kleinen Tische hinter der Glaskugel, und Beide arbeiteten so fleißig, wie damals in der Nacht, wo sie das Abenteuer erlebten.
Sie dachten auch Beide wohl daran, aber sie sprachen kein Wort. — Der Schuhmacher sah ernsthaft auf seine Arbeit, es lag ein Aerger oder ein Kummer in seinem Gesicht. Er kniff Augen und Lippen zusammen und ließ sein langes Haar unbehindert über die Stirn fallen.
Nach geraumer Zeit fragte die Frau freundlich: Was ist Dir denn, Anton? Den ganzen Tag hast Du gebrummt und kein Wort erzählt, wie es Dir gestern im Verein gefallen hat und wie es Dir gegangen ist. Ich habe auch nicht weiter fragen wollen.
Oh! sagte er ingrimmig, gut, sehr gut ist es mir gegangen. Prächtige Musik, Concert, Gesang dazu. Geputzte Damen waren da, Herren auch, Dein Freund, der Professor obenan.
Mein Freund, der Professor! rief Guste lachend. Du kannst Gott danken, wenn der mein Freund ist.
Hättest ihn gestern reden hören können, murmelte Anton. Hat anderthalb Stunden in einem Athem gesprochen, aber ich will verdammt sein, wenn ich weiß, was er wollte.
Weil Du undankbar bist, sagte die Frau auffahrend. Er hat es mir heute geklagt, der liebe, gute Herr. Du hast den ganzen Abend gesessen wie ein Nachtwandler und hast Gesichter geschnitten, als hättest Du Wermuth genossen.
Also ist er hier gewesen? fragte Anton höhnisch. Der Kerl soll nicht hierher kommen.
Höre, Anton, erwiderte sie, sei vernünftig oder es wird nicht gut. Der Geheimrath kann uns alle Tage unglücklich machen, wenn er will, und nur weil die gnädige Frau gebeten hat, thut er es nicht. Der Herr Professor ist aber ihre rechte Hand, was der sagt geschieht; darum, mag er Dir gefallen oder nicht, so mußt Du freundlich zu ihm sein. Wer arm ist, muß sich bücken und so ein Mann hat es gern, wenn er geschmeichelt wird.
Lieber will ich in kochendes Pech fassen, rief der Schuhmacher wild.