Du bist ein Querkopf, lachte seine Frau. Pech haben wir genug, bleib davon, so weit Du kannst. Der Professor hat mir versprochen, Dir viele Arbeit zu verschaffen bei seinen vornehmen Freunden; aber Du mußt auch danach sein. Was haben wir denn von Deinen sauberen Freunden gehabt? Nichts als Aerger, nichts als Schaden und Unglück.

Aber keine Heuchler, keine Freunde, die uns streicheln und schmeicheln, so lange wir thun, was sie haben wollen; wenn wir aber irgend nicht wollen, uns wie Verbrecher behandeln.

Na, Du Narr! rief Guste, so thue doch was sie haben wollen, dann ist ja Alles gut. Was kannst Du denn überhaupt machen? Und wer hilft Dir, wenn Du im Elende bist? Die großen Herren aus dem souveränen Volke etwa? Sie lachte höhnisch auf. Nicht einmal meine beiden feinen Tücher habe ich wieder bekommen von der lumpigen schlechten Weibsperson. Und daran bist Du Schuld. Du ganz allein bist daran Schuld!

Als Anton dies Thema anschlagen hörte, schwieg er still und ließ geduldig noch ein halbes Dutzend erbitterte Zornreden über sich ergehen.

Als aber kaum die letzte ihr Ende erreicht zu haben schien, ließ die Klingel draußen an der Eingangsthür sich hören. Frau Mertens schwieg daher auch, sah durch die Glasscheiben in den kleinen Laden und sprang dann sogleich mit erheitertem Gesicht dienstfertig auf.

Da kommt der Herr Professor, flüsterte sie halblaut. Daß Du vernünftig bist, Anton, ich sage Dir, daß Du Dich wie ein anständiger Mann benimmst.

Sie öffnete die Thür und lächelte dem vornehmen Besuch entgegen, dieweil Professor Viereck mit herablassender Würde ins Zimmer trat. Huldvoll erwiderte er das Lächeln der hübschen jungen Frau, indem er langsam an seinen Hut faßte und ihn abnahm. — Guten Abend, sagte er dann, guten Abend, mein lieber Mertens.

Es ist ja der Herr Professor, Anton! rief Guste dazwischen, als ihr Mann nicht schnell genug aufstand.

Ich wollte alleweil die Arbeit fortlegen, versetzte der Schuhmacher so freundlich, als er vermochte. Sie halten es mir zu gut, Herr Professor.

Ich liebe die Arbeit und liebe die Arbeiter, erwiderte dieser in seiner pathetischen Weise. Ein fleißiger Mann, ein rechter Mann, und wo die Frau emsig die Finger rührt, wo sich das Herbe mit dem Zarten, wo Starkes sich und Mildes paarten, da giebt es einen guten Klang.