Bei dieser Entdeckung erneute sich der Zorn seiner Frau. Eine schöne Wirthschaft ist das, sagte sie. Ein liederliches Weibsbild, die sich Nachts in Männerkleidern umhertreibt, Gott weiß woher kommt, aufgegriffen werden soll, wie es sich gehört, die schleppt er mir hierher und da liegt sie nun in ihren Sünden. Wirf sie hinaus und laß sie liegen, sie werden schon kommen und sie abholen. Wirf sie hinaus, sag ich Dir, oder ich laufe auf die Straße und schreie nach Hülfe.

Das wirst Du bleiben lassen, Guste, antwortete der unerschütterliche Mann, indem er von seinen Knien zu seiner erzürnten Ehehälfte aufsah. Er hatte den Schwamm in dem Wasser ausgedrückt und fuhr damit leise über Gesicht und Stirn seines Schützlings. So schlecht bist Du nicht, fuhr er dabei fort, daß es Dein Ernst sein könnte von mir zu fordern, ich sollte dies Weib, wer sie auch sein mag, in Nacht und Eis auf die Straße werfen. Element ja! wenn’s wahr wäre, rief er, stärker den Schwamm drückend, ich könnte Dich nicht mehr ansehen. Aber wenn ich es thun wollte, Du würdest sie wieder hereinholen. Todt ist sie nicht, jetzt athmet sie ja, und da hat sie den Schlag auf den Kopf bekommen. Es ist eine lange blutige Schramme, muß ein Säbelhieb sein, aber viel hat es nicht auf sich, wenn es weiter nichts ist. Die Betäubung ist das meiste, Angst und Schreck obenein. Bald wird sie wieder munter sein wie ein Fisch und ehe es irgend ein Mensch gewahr wird, kann sie gehen und sehen, was sich weiter mit ihr zuträgt.

Eine zuckende Bewegung der Unbekannten endete seine Ermahnungen. Sie schlug die Augen einen Augenblick auf und schloß sie wieder; ein paar unverständliche Laute kamen über ihre Lippen und endeten mit einem dumpfen Stöhnen.

Das Wasser macht ihr Schmerzen, flüsterte der gutmüthige Schuhmacher, und sieh mal da, Guste, was es für ein feines, blasses Gesicht ist. Die sieht nicht aus wie Eine, die einen schlechten Lebenswandel führt.

Ein ordentliches, anständiges Mädchen thut das nicht, sagte die Frau, noch immer grollend. Du bildest Dir wohl am Ende ein, einen Tugendspiegel Nachts um 12 Uhr in Rock und Hosen aufgefangen zu haben. — Bei alle dem aber beugte sie sich zu der Leidenden nieder, horchte auf ihr leises schnelles Athmen und unterstützte, ohne ein Wort weiter zu sprechen, die Bemühungen ihres Mannes, dem sie endlich den Schwamm fortnahm und die Waschung selbst verrichtete.

Hole ein reines Tuch aus der Kommode, sagte sie nach einer kleinen Weile, wir müssen es zusammenlegen und einen feuchten Umschlag machen.

Anton sprang auf und brachte, was er fand.

Ach, bewahre Gott, rief Guste, das ist ja ein baumwollenes. Rechts in der Ecke liegen die beiden feinen Leinentücher, die mir Fräulein Elise zur Hochzeit geschenkt hat.

Die willst Du nehmen? fragte Anton erstaunt. Wirst das Blut nicht wieder herauskriegen.

Ich habe nichts anderes, was paßt, sagte sie ärgerlich. Warum hast Du uns das Unglück in’s Haus gebracht.