Er streckte die Hand aus und blinzelte einladend unter seiner Brille, indem er ihr zunickte.
Guste zuckte rechts und links mit den Schultern und fuhr mit den Händen bald vor, bald zurück. Ach, nicht doch, Herr Professor, sagte sie sich sträubend; ich darf es gar nicht wagen; meine Hände sind nicht darnach, die müssen arbeiten was vorkommt, und sehen Sie einmal hier, wie zerstochen Daumen und Zeigefinger sind von allem Nähen.
Köstlich! rief der Professor, seine braunen runden Augen weit aufmachend, indem er bald die Hände betrachtete, welche er beide endlich festhielt, bald von seinem Stuhle nach oben sah in das kräftige blühende Gesicht, das sich mit schalkhafter Sprödigkeit zur Seite wandte, als wollte es seinen Blicken ausweichen.
Diese Naivität! dieser Humor! er ist unerreichbar, flüsterte Viereck, und diese appetitlichen Händchen! fügte er mit einer begeisterten Anstrengung hinzu. Gerade wie Gretchen im Faust von ihren Händchen sagt: Wie mögt ihr sie nur küssen und dennoch — hier drückte er einen Kuß auf Gustens Finger, die sie rasch fortzog und lachend drohte: Wenn Anton das wüßte! Warten Sie, Herr Professor, der ist eifersüchtig wie ein Türke; ich darf es ihm gar nicht sagen.
Der Professor war entzückt, daß Jemand auf ihn eifersüchtig sein könnte. Er schlug übermäßig lachend mit der Hand auf sein Knie und schleuderte ein Paar triumphirende Blicke auf den Gegenstand seiner Hingebung.
Lassen Sie ihn eifersüchtig sein, wir wollen es ihm schon abgewöhnen, sagte er. Ich denke ihn zu erziehen, zu bilden und zu uns zu erheben. Kommen Sie her, kleine Frau, kommen Sie her, wir wollen Frieden schließen; ich denke, Sie fürchten sich nicht vor mir.
Guste machte ein listiges Gesicht. Sie war eine Hand breit größer, als der Professor, und offenbar zu Vergleichen aufgefordert. Ich fürchte mich gar nicht, erwiderte sie, wovor sollte ich mich denn auch fürchten?
Allerliebst! lachte der Professor, die Hände mit ungeheurer Schnelle reibend, allerliebst, und doch so natürlich. Nein, Furcht dürfen Sie nicht haben, haha! Furcht ist ganz überflüssig, ich will Ihnen ja nur Liebes und Gutes erzeigen. Er grinste sie entzückt an, und Guste stimmte vergnügt in sein Gelächter ein, während etwas sich um ihre Brust zusammenzog, was bis in ihre Fingerspitzen ärgerlich zuckte. Nun sehen Sie her, fuhr Viereck fort, ich will Ihnen auch sogleich den Beweis dafür geben. Heut ist Weihnachtsabend und gestern spät haben wir noch über die Vertheilung der gesammelten Geschenke und Geldspenden beschlossen. Aepfel und allerlei Süßigkeiten, sammt Spielzeug für den kleinen Burschen da, sollen heut Abend noch folgen, aber das Beste bringe ich gleich mit, heda! Er schlug an seine Tasche, faßte hinein, zog eine Hand voll Thaler heraus und zählte langsam und laut funfzehn Stück auf den Tisch.
Streichen Sie ein, rief er, streichen Sie Alles ein, und keinen Dank jetzt, ich werde ihn mir später einfordern. Mertens soll mir morgen den Empfang bescheinigen, aber ich denke, kleine Frau, Sie sollen öfter blanke Thaler einstecken. Ich habe die Mittel, um Anhänglichkeit zu belohnen; nun, was meinen Sie — bin ich Ihr Freund oder nicht? He, Gustchen? Ist ein treuer Freund nicht eine gute Sache in aller Noth?
Ums Himmels Willen! rief Guste seinen annähernden Bewegungen ausweichend, wenn Jemand käme! Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, lieber Herr Professor. Ach Gott! wie wird Anton sich freuen!