Diese Zersplitterung, an sich schon unheilvoll genug, wird es doppelt und dreifach durch die Konjunkturen der Gegenwart.
Es gibt in Europa zwei Bewegungen, unabhängig und ohne Zusammenhang, neben und widereinanderlaufend, deren jede in ihrer Weise die Stellung der Staaten bestimmt. Die eine geht aus dem Territorialinteresse, die andere aus dem Principienkampfe hervor.
Der Principienkampf hat die Quadrupelallianz der Tripelallianz gegenüber gestellt. Das legitime Princip hat Rußland, Oestreich und Preußen, das liberale Frankreich, England, Spanien und Portugal vereinigt.
Diesen Verbindungen widerspricht das Territorialinteresse. In Afrika, im Mittelmeer, im Orient steht die englische Politik der französisch-pyrenäischen feindselig gegenüber; in Polen, in der Türkei und an der Donau läuft das deutsche Interesse dem russischen schnurstraks zuwider.
Die Principienfrage wird auf der rechten Seite in erster Linie von Rußland, auf der linken von Frankreich vertreten; die Revolution, wie die Restauration, die sich wechselnd über Europa ausbreiteten, sind stets von Frankreich oder von Rußland ausgegangen.
Das Territorialinteresse wird in der mächtigsten Ausdehnung einerseits von Rußland, anderseits von England gehandhabt. In allen Theilen von Asien kämpfen Rußland und England um eine Herrschaft, die keine der andern Mächte in Anspruch nimmt.
Rußland also, allein unter allen, ist in doppelter Art an die Spitze gestellt; die principielle und territoriale Hegemonie vereinigt sich in seiner Hand. Während auf der linken Seite Frankreich und England, jedes in seiner Sphäre, sich die Wage halten, sind auf der rechten die deutschen Mächte durch ein zweifaches Joch an die russische Suprematie gebunden. Oestreich und Preußen haben das Territorialinteresse dem Principienbündniß geopfert: ein doppelt unsäglicher Irrthum, der sie ihrer materiellen Kraft beraubt, und die ideelle vernichtet, indem er sie den übrigen deutschen Staaten entfremdet, ja gegenüber stellt.
Die Unnatur, in Deutschland wie in ganz Europa hat den Gipfel erreicht. Die Allianzen der Gegenwart sind hohl und nichtig in sich, das ganze politische System auf Sand gebaut.
Es beruhen nämlich jene beiden Interessen, das ideelle und das materielle, nur auf Einem Grunde: auf der natürlichen Organisation der Völker. Diese, wie sie jeder Familie Europas einen gemeinsamen Zug der Ausbreitung mittheilt, erzeugt, nach Maaßgabe der Natur, ihre Verfassungen und Principien.
Daß Eine Territorialbewegung, in und außerhalb Europas, den germanischen, Eine den romanischen Nationen gemein sei, wäre unnöthig noch nachzuweisen; einmal, weil es aus der früheren Betrachtung erhellt, sodann weil in der Politik selbst die Ereignisse tagtäglich mehr darauf hindrängen. Eine Territorialfrage, — die orientalische — hat das französisch-englische Bündniß bis in den Grund gelockert, sie hat England der Quadrupelallianz entfremdet. Dieselbe Frage wird je näher sie der Lösung zuschreitet, um so unversöhnlicher das deutsche Interesse im Orient dem russischen gegenüberstellen. Wenn erst die Quadrupelallianz gestürzt ist, wird gleich ihr die Tripelallianz zerfallen. Der nächste europäische Krieg würde England den deutschen Mächten zutreiben, und ein germanisches Bündniß herbeiführen.