»Nein,« sagte der Conte, »aber er fühlte sich besser, so lange er lebte, und sprach davon bis zu seinem Tode. Vor zwei Jahren ist er gestorben.«
Unterdessen waren wir auf die Marine gekommen, von welcher der breite Schatten gewichen war, da die Sonnenstrahlen sich jetzt kräftig und heiss über dieselbe legten. Das Meer wippte in zitternder Bewegung vor einer stetigen Landbrise und die »Colombina« tanzte mit den anderen Barken gar lustig vor unseren Augen. Der Ante Placibat war auf einem als Landungsbrücke dienenden Brette an Bord gegangen und hantirte mit den Kisten, Fässern und Ballen herum, die auf dem Verdeck lagen, und der Mozzo hockte bei einem kleinen am Bug des Schiffes angemachten Kohlenfeuer um Kaffee zu kochen.
Conte Lole schien doch das Bedürfniss zu fühlen, den etwas zweifelhaften Eindruck, welchen die Erzählung von dem Wunder auf mich gemacht, durch die Aufzählung irgend einer positiven Thatsache abzuschwächen, denn er fragte plötzlich: »Wissen Sie, wem die »Colombina« eigentlich gehört?«
»Vermuthlich Ihnen, Conte Lole?«
»Nein,« antwortete der Conte stolz, »sie gehört den armen Seelen. Mein Grossvater hat sie bauen lassen. Früher war sie grösser und ist auch bis Triest gefahren, jetzt aber fährt sie nur bis Zara. Von dem, was sie einbringt, wird vorerst die Mannschaft gezahlt, dann werden die Reparaturen besorgt und was übrig bleibt wird zu Seelenmessen für die Verstorbenen unserer Familie verwendet. Davon wird der Don Beppo bezahlt, der eben in der Capelle Messe las. Die Reparaturen fressen am meisten und von der ursprünglichen »Colombina« ist kein Spahn mehr da. Aber sie wird immer gut gehalten und frisch aufgezimmert, hat auch immer ausserordentliches Glück gehabt. Weil die armen Seelen eigentlich ihre Eigenthümer sind, brauche ich sie auch nicht zu assecuriren. Schon oft war sie in der grössten Gefahr, – jedes andere Schiff wäre zu Grunde gegangen aber die »Colombina« – – halt! Da fährt sie ab. Glückliche Reise, Ante! Grüsse mir die Freunde in Zara!!«
Während die Brise sich sanft in die Segel legte, tanzte die »Colombina« lustig hinaus über die glitzernde Fläche. Beim Steuerruder stand aber Ante Placibat und schwenkte seinen Strohhut.
Glückliche Reise, »Colombina,« glückliche Reise, Ante Placibat!!