Früher hatte er, was die Fruchtbarkeit der Weiber anbelangt, ein anderes Zaubermittel in Anwendung gebracht, und zwar mit dem besten Erfolge. Die Morlaken zahlten auch dafür. Aber der Bischof, dem man sehr viel davon zu erzählen wusste, wollte dessen Anwendung nicht mehr leiden, umsoweniger, als durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen Don Malachia statt des erhofften Geldes oder der Victualien von den Morlaken manchmal für seine Zaubermittel Prügel erhalten hatte. Auch erschiessen wollten sie ihn zuweilen. Darunter aber leidet die Standesehre und desswegen wurde er seines Postens als Pfarrer entsetzt und privatisirte fortan in Spalato. Jetzt betreibt er nur mehr den Vaterunser-Sport. Wie viel Vaterunser ein normal organisirter Mensch im Laufe eines Tages herunterzusagen vermag, ist bis heute wohl noch nicht berechnet worden. Es müssen aber viele sein, denn mit den Vaterunsern, oder, besser gesagt, mit der Bezahlung von zehn Kreuzern für jedes Vaterunser unterhält Don Malachia sich selbst in seiner vierschrötigen Wohlbeleibtheit, seine ziemlich zahlreiche Familie und – mit diesem Gelde hat er sich das hübsche Häuschen erbaut, das so weiss und freundlich durch die blühende Wildniss schimmert. Das Volk kennt die erzählten Umstände ganz genau, lässt aber immer wieder seine Vaterunser um zehn Kreuzer per Stück durch Don Malachia beten. Der Bischof weiss es auch, aber Vaterunserbeten ist nichts Unrechtes – und so lässt sich wenig dagegen einwenden. Im Volksmund aber heisst das Haus: »Kuća od Otčenašah« – das Paternosterhaus.

»Sondern erlöse uns von dem Uebel! Amen.«


Jacuve Ciciola und seine Liebe.

Jacuve heisst Jacob – Ciciola ist ein Spitzname und heisst gar nichts, – welches Wesen aber so glücklich war, die Liebe des Jacuve Ciciola zu erringen, das will ich lieber erst am Ende dieser meiner armen Zeilen erzählen, weil es immer gut ist, sich für alle Fälle zu decken und dafür zu sorgen, dass dergleichen Dinge auch bis zu Ende gelesen werden.

Vielleicht war ich nicht ganz exact, als ich dem Namen meines Helden eine negative Bedeutung zusprach. »Ciciare« ist ein Wort, das zwar meines Wissens in keinem Wörterbuche zu finden ist, dafür aber im Dialekte der untersten Venezianer-Volksclassen »saugen« bedeutet, ganz entsprechend dem wunderbar schönen Wiener Ausdrucke »zuzeln«. Gibt man aber die Richtigkeit dieser etymologischen Abstammung zu, so ist auch damit die logische Berechtigung anerkannt, meinen Helden eben Ciciola und nicht anders zu nennen, denn der Herr, der diesen äusserst romantisch klingenden Namen trägt, hat die ebenso angenehme als nützliche Gewohnheit, zwei oder drei junge Zwiebelpflanzen von der Art, die man in Italien und Dalmatien Scalogna, in deutschen Landen aber Schalotte nennt, in der Hand zu halten und mit sichtbarem Behagen daran zu saugen.