»Brate,«[40] sagt Mate Vucenovich des Ilia und des Ante zum Mate Vucenovich des Ilia und Pave, willst Du Frieden machen? Ich gebe ein Lamm und Du gibst den Wein, willst Du?«

»Brate, Du hast Recht,« antwortet der Enkel des Pave und sie umarmen und küssen sich und möchten auch dem Prätor in ihrer Freudenbegeisterung dasselbe thun, der sich aber hinter den Tisch zurückzieht.

»Falavi, Falavi, Gospodine Pretur,«[41] tönt es von Beiden und unter linkischen Bücklingen entfernen sich die versöhnten Widersacher aus der Gerichtsstube. – – –

Es kommt aber ein Nachspiel. Die beiden Weiber der beiden Mate drängen sich über die Stiege hinauf. Sie halten Jede ein Körbchen Eier in der Hand und Jede von ihnen zieht ein meckerndes Schaf an einem Stricke nach sich. Das wollen sie dem Prätor für sein Urtheil schenken und deswegen haben sie beides mitgebracht. Sie drängen sich auch richtig in's Gerichtszimmer, aus welchem sie jedoch der Prätor hinauswerfen lässt, die Weiber, die Schafe und die Eier.

Die Marksteine bleiben aber wo sie sind und morgen ist grosses Gastmahl in Vucenovich, gegeben von Mate Vucenovich, Sohn des Ilia, Sohnes des Ante und von Mate Vucenovich, Sohn des Ilia, Sohnes des Pave.


Ein türkisches Schnupftuch.

Ehrsame Frauen, sowie nicht minder Jungfrauen, bei denen die Sittsamkeit als selbstverständlich vorausgesetzt wird, mögen ohne alle Scheu diese bescheidenen Zeilen zu Ende lesen, sie werden, wenn auch ein türkisches Schnupftuch den Gegenstand derselben bildet, keineswegs darin jener verfänglichen Ceremonie oder gar der Folgen dieser letzteren Erwähnung finden, die einem althergebrachten, darum aber nichtsdestoweniger unwahren Gerüchten zufolge zwischen Sr. Majestät dem Sultan und seiner jeweiligen Auserwählten stattfindet und deren an und für sich höchst unschuldige Einleitung in dem Zuwerfen eines Schnupftuches besteht.

Ich sehe es noch vor mir, ein langes und schmales Stück durchsichtigen Gewebes, den Rand mit sonderbar krausen, tausendfach verschlungenen Arabesken bedeckt, die eine kunstgeübte Frauenhand in Seide darauf gestickt! Gold- und Silberfäden schlängeln sich, als ob sie verfolgt würden, in sichtbarer Hast durch das farbenglühende Labyrinth, um nach langer Suche ihren glitzernden Lauf wieder da aufzunehmen, wo sie ihn eigentlich enden sollten. Und was mich durch das feine Gewebe anblickt, sind viele, viele unschuldige Kinderaugen, die, überrascht und erschreckt vom ersten Anblicke der Aussenwelt, es noch nicht ahnen können, dass die wirren, von dem gleissenden Silberfaden durchschlungenen Windungen der krausen Arabesken ein Bild ihres eigenen zukünftigen Erdenwallens seien.