Die holdselige und wunderschöne Dame erröthete ganz prachtvoll und sagte mir, ich möge meine Frau recht herzlich grüssen. Ihr Lächeln schwebt mir aber noch heute vor.


Ein Richter in Bosnien.

Es war mir nach und nach eine dunkle Idee aufgedämmert, als ob der arabische Hengst, der mich in gleichmässigem, langgestrecktem Galop durch das Thal von Livno trug, viel edler sei als ich selbst. Mein Begleiter und neuerworbener türkischer Freund Mahmud Firdus Beg hatte mir wenigstens die letzte halbe Stunde von nichts gesprochen, als von dem Adel des Thieres unter mir, und Mesrour – so hiess der edle Hengst – hatte jedesmal die Ohren gespitzt so oft er seinen Namen aussprechen hörte. Mich nahm das, offen gesagt, nicht im mindesten Wunder, weil es mir bekannt war, dass vorzugsweise in Pferdeställen derlei genealogisches Selbstgefühl zum Ausdrucke kommt.

Der Octobertag war wunderbar schön. Die Gipfel des hohen, zu unserer Rechten liegenden Berges Prolog, den ich Tags zuvor überschritten, waren in leichte Nebelschleier gehüllt, die, ab und zu vom Winde gehoben und verschoben, sich dann wieder an anderer Stelle über die Hänge des Berges fein und duftig herabsenkten. Zwischen durch schimmerte das kräftige Roth und Braun der im Herbstschmucke prangenden Wälder und durch das struppige Unterholz durch, über das rauhe Gestein herab sprangen und stürzten kleine Wildbäche, die sich dann in der breiten grünen Thalsohle sammelten und sie gleich breiten Silberbändern durchzogen. Dass sie dort tief genug und frisch genug waren, das hatte ich am vorigen Abende erfahren, als ich, von Sign in Dalmatien kommend und gegen die Behausung des Mahmud Firdus Beg reitend, eines dieser Flüsschen zu Pferde passirte und mein Thier plötzlich anfing zu schwimmen, so dass mir das Wasser bis unter die Arme reichte.

Zu unserer Linken begleitete uns eine andere Kette von Bergen – ebenfalls Ausläufer der dinarischen Alpen – die vom Gipfel bis weit herab in die Ebene mit prachtvollen Wäldern bedeckt sind, und vor uns dehnte sich das lange Thal, an dessen südlichem Ende Livno, das Ziel meiner heutigen Reise, lag.

Mahmud Firdus Beg sagte mir, dass der grössere Theil jener Wälder, die auf dem Berge aus Eichen und Buchen, am Fusse desselben aus Aepfel-, Kastanien- und Zwetschken-Bäumen bestehen, sein Eigenthum sei. Auch der Grund und Boden, auf dem wir dahinritten, sei sein Eigenthum. Aber es trage nicht viel. Er hat wohl im Walde mehrere Brettermühlen durch einen Croaten bauen lassen und füttere mit dem Ertrage der Obstbäume grosse Heerden von Schweinen, doch bekäme er für Schweine sowohl als Bretter sehr wenig Geld, denn in Bosnien kaufe sie Niemand, und bis sie auf den Markt nach Sign oder Spalato kommen, haben die Kosten des Transportes den Werth der Waare verzehrt. »Am besten bezahlen sich noch die Schweine, denn diese kaufen zuweilen auch unsere Giauren – wenn sie Geld haben,« fügte Mahmud Firdus Beg hinzu, indem er zugleich feierlich ausspuckte, aber nicht nach der Seite, auf welcher ich ritt, denn dazu war er zu höflich und dann war ich auch sein Gastfreund.

Vielleicht hatte ihn auch der Anblick der vier Rajahs – bosnischen Christen – welche abseits unseres Weges um ein kleines Feuer sassen und ganze Maiskolben an demselben brieten, zu dieser symbolischen Gefühlsäusserung veranlasst. Die Leute standen auf, als wir uns ihnen näherten, und grüssten demüthigst auf türkische Art, indem sie mit der rechten Hand Brust, Mund und Stirne berührten. Mahmud Firdus Beg lachte ihnen hämisch entgegen, liess aber den Gruss unerwidert.

Ich habe mich später erkundigt, woher Mahmud Firdus Beg zu seinem Reichthum und zu dem Titel Beg, der ja eine Art Adelstitel ist, gelangt sei. Für Beides hatte man in echt türkischer Anschauungsweise nur Eine Erklärung: Der Vater des Mahmud Firdus Beg war einst Gouverneur von Bosnien. Daher der Titel, daher der Reichthum. Er hatte die Rajahs so lange geschunden und geplagt, bis sie in ihrer Verzweiflung sich einmal empörten und ihn, wie schon einmal erwähnt, ermordeten. Da ging der Titel Beg und der Reichthum auf seine beiden Söhne über und so ward Mahmud Firdus zum Beg und kam in den Besitz all der prachtvollen Wälder, die sich auf den Hängen der dinarischen Alpen zur Rechten und Linken hinzogen. Der Boden, auf dem wir ritten, gehörte nicht weniger dem Mahmud Firdus Beg. Hin und wieder war ein Stückchen desselben roh bearbeitet und zeigten gelbe Stoppeln oder kleine aus den Wurzeln getriebene verspätete Pflanzen, dass da Weizen oder Tabak gebaut und eingeheimst worden war.