Wir baten den Guardian, ein kleines Scherflein für die Bedürfnisse des Klosters von uns anzunehmen und empfahlen uns. Eine Minute darauf flog unser Gigg stromabwärts dem Meere zu, auf dem die schöne »Möve« im Abendsonnenschein sich wiegte.
Ein Fischzug bei Lesina.
Vom Himmel herab flimmerten die Sterne und spiegelten sich in der unbewegten Fläche des Meeres. Unser Boot flog, von zwei Rudern getrieben, still dahin und die kleinen Wasserberge, die vor dem Bug sich aufwarfen, schossen helle Silberstrahlen hinauf gegen den dunkeln Himmel, so dass sich Sternengold und flüssiges Silber in schönen Wellenlinien zu begegnen schienen. Auch von den Rudern herab floss es in tausend Silberfäden und leuchtende Perlen schwammen in unserm Kielwasser. Sonst war das Meer weithin schwarz und regungslos, denn die Frühlingsnacht hatte sich warm und schwer darübergelegt und heute leuchtete kein Mond. Bei Mondenschein gibt es keinen Sardellenfang, und um den Sardellenfang zu sehen, schossen wir hinaus in die sternenflimmernde Nacht und in die dunkle See.
Wir fuhren aus dem Hafen von Lesina. Blumenduft gab uns das Geleite und zog hinter uns her über die See. Rosmarin, Orange, Lorbeer und die dalmatinische Föhre dufteten von den Anhöhen, welche die Bucht umsäumen und tausend aromatische Kräuter mischten ihren Blüthenhauch drein. Bäume, Blüthen und Berge waren aber von Nacht bedeckt. Nur selten zeigte sich an halber Himmelshöhe eine zackige, dunkle, von einem feinen, hellern Streifen begleitete Linie – es waren die Kuppeln des Höhenzuges, der die Bucht von Lesina gegen Nord und Ost in weitem Schwunge bekränzt. Wir glitten rasch weiter in die Nacht hinein mit dem schwarzen Meeresspiegel vor uns und dem silbern dämmernden Kielwasser unseres Bootes im Rücken.
Eine Stunde dauerte die Fahrt. Von Zeit zu Zeit tauchten zur Rechten und Linken massive dunkle Flecke auf; es waren Kuppen oder grössere Felsen-Inseln, zwischen welchen hindurch unser Weg uns führte. Dann lag wieder die weite dunkle Fläche glatt vor uns mit dem Sternengefunkel drinnen.
»Jetzt fahren wir um den Scoglio Trauna herum, zwischen Karbun und Klebuk durch – und dann sind wir auch bei den Fischern. Heute muss es wieder einen guten Zug geben, denn die See hat sich gegen Abend abgekühlt. Es gab eine ordentliche Landbrise.« So sprach nach einer Stunde absoluter Schweigsamkeit der ältere unserer Ruderer. Der Mann hatte zur See gedient und war bei Lissa gewesen, wie er uns später erzählte.
Vor uns zeigte sich ein dunkelrother Schein, von dem sich eine Reihe von Klippen scharf abhob. Das Boot machte eine Wendung, die Klippen zu unserer Rechten verschwanden und ein breiter Lichtstrahl drang zu uns her, der Alles rings herum in noch tiefere Nacht hüllte und nur die Fischerbarke beleuchtete, von der er ausging und zwei andere, die in ihrer Nähe lagen. Es waren die Fischer.
An Bord der Barken war Alles in lebhafter Bewegung. Die eine derselben hatte an einer starken Eisenstange, die über den Rand des Fahrzeuges hinausragte, ein halbrundes Eisengitter als Rost befestigt, auf welchem grosse Stücke Föhrenholz brannten. Die Flamme war blutroth und der Rauch strich, von der schweren Luft niedergedrückt, über das Wasser hin. Als unsere Augen sich an den blendenden Schein der Flamme und die grelle Beleuchtung etwas gewöhnt hatten, konnten wir, näher kommend, allgemach die einzelnen Personen unterscheiden, die in den Barken sich befanden. Ein alter Mann mit von tausend Runzeln durchzogenem wettergebräuntem Gesichte und schneeweissen Haaren stand am Bug neben dem Feuer und blickte angelegentlich in das Wasser. Zwei Andere stützten sich auf die langen Ruder, die sie in gleichmässigem Tacte, aber langsam bewegten. Niemand von ihnen sprach ein Wort. Eine zweite Barke bewegte sich, gleichen Schritt haltend, in einiger Entfernung neben der ersten hin und im Hintergrunde schaukelte sich ruhig eine dritte, auf welcher zwei Männer, scheinbar unthätig, aber mit gespannter Aufmerksamkeit dem Fischzuge folgend, sassen.