Die Seitenwände des Netzes waren über den Bord der drei Barken heraufgezogen und auf der Fläche, die ringsum von den feinen Maschen begrenzt war, war Alles Leben und Bewegung. Es sprudelte und kochte und plätscherte mit einem betäubenden Geräusche, gerade als ob ein heftiger Platzregen auf Steinplatten fiele. Es waren die Sardellen, die endlich – aber zu spät – sich ihrer Verblendung bewusst wurden und nun in wahnsinnigen Sprüngen sich über das Wasser zu heben und zu entkommen suchten.
Die Männer tauchten Handnetze in das Gewühle der zappelnden silberglänzenden Fische und leerten eines nach dem andern in den Boden der Barken. Zwei Barken füllten sich bis hoch hinauf mit den kleinen zarten Geschöpfen, die, schon im Trockenen, noch immer zappelten und sprangen und sich gegen das ungewohnte Element wehrten. Es waren ihrer, wie die Leute mit kundigem Auge schätzten, genug, um gegen zweihundert Fässer damit zu füllen – also ein guter und schöner Zug, der Alle zufriedenstellte. Als der alte Fischer uns einen Korb frischer, noch lebender Sardellen in das Boot hinüberreichte, that er es auch mit einem »Gott sei die Ehre für den heutigen Fang!« aber unterliess es doch nicht, gleich darauf den davonfahrenden Barken mit dem Streifnetze einen kräftigen Fluch nachzusenden über das dunkle, leise athmende Meer.
Morlake aus Nord-Dalmatien.
Das Gigg des Kaisers.
Römische Machtausdehnung, italienischer Kunstsinn, venezianische Tyrannei, Türkenkriege, kühne Fahrten über das ungemessene Meer, Seeräuber, Erdbeben, Hungersnoth, orientalische Pest und die treibende, ewig drängende und schaffende Kraft des wunderbaren südlichen Klimas, das sind die Elemente, aus denen sich die Chronik dalmatinischen Landes und dalmatinischer Städte zusammensetzt, das die Factoren, die Dalmatien bald aufblühen machten mitten in dem wirren Chaos römischer Kriegszüge und mittelalterlicher Fehden, bald zurückbleiben in dem Wettkampfe der Völker auf der Bahn des Fortschrittes. Gegenwärtig ist Dalmatien weit, sehr weit zurückgeblieben in seiner physischen und moralischen Entwicklung – die Ruinen seiner Städte und die prachtvollen, aber halbzerfallenen Ueberreste seiner römischen und venezianischen Baudenkmale bieten einen beinahe ebenso traurigen Anblick wie die hellen Spitzen seiner entwaldeten Berge.
Was hier von Dalmatien im Allgemeinen gesagt ist, das findet im Besonderen seine Anwendung auf die Stadt und Insel Curzola. Corcyra Nigra hiess die Insel bei den Römern von der dunkeln Farbe, welche die auf den Bergen prangenden Nadelwälder der Insel gaben; – heute könnte man sie beinahe mit demselben Recht »die weisse« nennen, mit welchem sie einst »die schwarze« hiess, denn ihre Wälder sind bis auf wenige kleine Bruchtheile verschwunden, ihre Quellen sind versiegt und mit ihnen der Reichthum, der von Oben kommt. Heute sind die Curzolaner nur mehr auf das Meer angewiesen, das eben das alte geblieben, und man kann ihnen nicht nachsagen, dass sie diese letzte ihrer Hilfsquellen nicht emsig genug benützen.