"Nun muß sich alles, alles wenden!"

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Die Zeit ging weiter, aber die dunkeln Gewalten waren noch nicht besiegt. Nur mit Widerstreben fügte Ines die noch aus Nesis Wiegenzeit vorhandenen Dinge der kleinen Ausrüstung ein, und manche Träne fiel in die kleinen Mützen und Jäckchen, an welchen sie jetzt stumm und eifrig nähte.—Auch Nesi war es nicht entgangen, daß etwas Ungewöhnliches sich vorbereite. Im Oberhause, nach dem großen Garten hinaus, stand plötzlich eine Stube fest verschlossen, in der sonst ihre Spielsachen aufbewahrt gewesen waren; sie hatte durchs Schlüsselloch hineingeguckt; eine Dämmerung, eine feierliche Stille schien darin zu walten. Und als sie ihre Puppenküche, die man auf den Korridor hinausgesetzt hatte, mit Hülfe der alten Anne auf den Haus- boden trug, suchte sie dort vergebens nach der Wiege mit dem grünen Taffetschirme, welche, solange sie denken konnte, hier unter dem schrägen Dachfenster gestanden hatte. Neugierig spähte sie in alle Winkel.

"Was gehst du herum wie ein Kontrolleur?" sagte die Alte.

—"Ja, Anne, wo ist aber meine Wiege geblieben?"

Die Alte blickte sie mit schlauem Lächeln an. "Was meinst", sagte sie, "wenn dir der Storch noch so ein Brüderchen brächte?"

Nesi sah betroffen auf; aber sie fühlte sich durch diese Anrede in ihrer elfjährigen Würde gekränkt. "Der Storch?" sagte sie verächtlich.

"Nun freilich, Nesi."

—"Du mußt nicht so was zu mir sprechen, Anne. Das glauben die kleinen
Kinder; aber ich weiß wohl, daß es dummes Zeug ist."

"So?—Wenn du es besser weißt, Mamsell Naseweis, woher kommen denn die
Kinderchen, wenn nicht der Storch sie bringt, der es doch schon die
Tausende von Jahren her besorgt hat?"