—"Sie kommen vom lieben Gott", sagte Nesi pathetisch. "Sie sind auf einmal da."

"Bewahr uns in Gnaden!" rief die Alte. "Was doch die Guckindiewelte heutzutage klug sind! Aber du hast recht, Nesi; wenn du's gewiß weißt, daß der liebe Gott den Storch vom Amte gesetzt hat—ich glaub's selber, er wird es schon allein besorgen können.—Nun aber—wenn's denn so auf einmal da wär, das Brüderchen—oder wolltest du lieber ein Schwesterlein?—, würd's dich freuen, Neschen?"

Nesi stand vor der Alten, die sich auf einen Reisekoffer niedergelassen hatte; ein Lächeln verklärte ihr ernstes Gesichtchen, dann aber schien sie nachzusinnen.

"Nun, Neschen", forschte wieder die Alte. "Würd's dich freuen, Neschen?"

"Ja, Anne", sagte sie endlich, "ich möchte wohl eine kleine Schwester haben, und Vater würde sich gewiß auch freuen; aber—"

"Nun, Neschen, was hast du noch zu abern?"

"Aber", wiederholte Nesi und hielt dann wieder einen Augenblick wie grübelnd inne,—"das Kind würde ja dann doch keine Mutter haben!"

"Was?" rief die Alte ganz erschrocken und strebte mühsam von ihrem Koffer auf, "das Kind keine Mutter! Du bist mir zu gelehrt, Nesi; komm, laß uns hinabgehen!—Hörst du? Da schlägt's zwei! Nun mach, daß du in die Schule kommst!"

Schon brausten die ersten Frühlingsstürme um das Haus; die Stunde nahte. —"Wenn ich's nicht überlebte", dachte Ines, "ob er auch meiner dann gedenken würde?"

Mit scheuen Augen ging sie an der Tür des Zimmers vorüber, welches schweigend sie und ihr künftiges Geschick erwartete; leise trat sie auf, als sei darinnen etwas, was sie zu wecken fürchte.