"Ich weiß es nicht; aber ich habe Angst vor ihm."

"So kommen Sie, Franziska!"

Und rasch schritten sie den Weg zurück.—Es war ein untersetztes Männlein
mit wenig intelligentem, stumpfnasigem Antlitz, das in dem Stübchen der
Frau Lewerenz auf sie gewartet hatte. Richard führte ihn nach dem
Wohnzimmer hinauf, wohin Franziska schon vorangegangen war.

"Nun, Meister, was wünschen Sie von mir?" sagte er, indem er sich auf den
Sessel vor seinem Schreibtisch niederließ.

Der Handwerker, der trotz des angebotenen Stuhles wie verlegen an der Tür stehen blieb, brachte zuerst in ziemlicher Verworrenheit einige Redensarten vor, mit denen er die Veranlassung seines heutigen Besuches zum voraus zu entschuldigen suchte. Endlich aber kam er doch zur Hauptsache. Ein alter Bäckermeister, reich—sehr reich und ohne Kinder, wollte Franziska zu sich nehmen; er hatte fallen lassen, daß er sie sogar in seinem Testament bedenken werde, wenn sie treulich bei ihm aushalte; für ihn, den Vormund, sei es Gewissenssache, ein solches Glück für seine Mündel nicht von der Hand zu weisen.

Richard hatte, wenigstens scheinbar, geduldig zugehört. "Ich muß Ihre Fürsorglichkeit anerkennen, Meister", sagte er jetzt, indem er gewaltsam seine Erregung unterdrückte; "aber Franziska wird nicht schlechter gestellt sein in meinem Hause; ich bin bereit, Ihnen die nötigen Garantien dafür zu geben."

Der Mann drehte eine Weile den Hut in seinen Händen. "Ja", sagte er endlich, "es wird denn doch nicht anders gehen."

"Und weshalb denn nicht?"

Er erhielt keine Antwort; der Angeredete blickte mürrisch auf den Boden.

Das Mädchen hatte während dieser Verhandlung laut- und regungslos am Fenster gestanden. Als Richard jetzt den Kopf zurückwandte, sah er ihre großen grauen Augen weit geöffnet; angstvoll, in flehender Hingebung, alles Sträuben von sich werfend, blickte sie ihn an.