Die größere Hälfte der etwa aus 150 Mitgliedern bestehenden Burschenschaft schwor zur Bierfahne. Dadurch gewann natürlich mein Einfluß bei allen Beratungen. Denn es gab allerdings manche noch wirklich in Bier befangene unter meinen Getreuen, welche nur im Allgemeinen blindlings der Eminenz beitraten, als demjenigen der in allen Dingen das Biervernünftigste sage. Ja ich habe oft in mir lächeln müssen, wenn ich, was alle Jahre zwei Mal geschah, unter den Hopfenkranz im Cerevishäuschen trat, in welchem Moment die Biervernunft in mir verkörperte, und einige meiner Unterthanen mich mit Überzeugung von meiner Apotheosirung wie einen Dalei Lama ehrfurchtsvoll anstarrten, und den diese hohe Ceremonie begleitenden Vers:
Nimm jetzt des Bieres Glas
Biere es aus fürbaß,
Biere mit Eil’
Daß Dich das Bier bewegt
Zur Biervernunft Dich trägt,
Daß Dein Herz bierig schlägt
Biervernunft Heil!
mit wahrer Andacht, ja selbst unter hervorstürzenden Thränen sangen. Ein ächter Cerevisianer, trank, wenn ihm der Arzt das Bier durchaus untersagt halte, nie sein Glas Wasser in meiner Gegenwart, ohne sich von mir den Cerevissegen: Sit aqua tua cerevisia (Dein Wasser sei Bier) geholt zu haben. Auch schlug sich selten einer ohne meine Benediction und kurios genug, der Zufall hat gewollt, daß niemals ein von mir Gesegneter eine Wunde bekommen hat. Als ich vor einigen Jahren in Heidelberg einige ehemalige Cerevisianer wieder in demselben Häuschen versammelte, hatte ich decretirt, es solle angenommen werden, daß alle Vergangenheit dahin aufgehoben sei, daß unsere Universitätsjahre vorgestern — unsere zwanzig Jahre der Trennung gestern, und endlich unsere Zusammenkunft das frohe Heute sein sollte. Man gehorchte mir mit Heiterkeit, und so begab es sich denn, daß Mancher nicht wußte, wohin sein Flaus, den er vorgestern getragen, gerathen, und daß er referirte, seine Frau habe ihm gestern zehn Kinder geboren.