Kurz nach Errichtung der Cerevisia versuchte man meine Souverainität zu stürzen, indem man eine bierständische Verfassung verlangte. Meine Lage war um so kritischer als einige meiner Großkreutze, die Rädelsführer der gottlosen Parthei waren. Ich versprach die Einführung, sobald die Cerevisianer dafür reif seien, stellte ihnen vor wie ich der Burschenschaft dafür verantwortlich sei, ein gesittetes Ganzes zu erhalten, kurz ich temporisirte, ich hielt die Sache so lange hin, wie möglich. — Die Großkreutze gewann ich durch Freigebigkeit und einige neu ornirte Ehrenstellen, wie die eines Biervaters, Bierkanzlers und Adoption eines Königlichen Sohnes, und als ich endlich meiner Sache gewiß war, erklärte ich, daß es von nun an bei Strafe der Bieracht verboten werde, von bierständischer Verfassung zu reden. In diesem Sinne handelte ich sofort, ich führte eine geheime Bierpolizei ein, welches natürlich zu vielen humoristischen Denunciationen und Debatten Anlaß gab, unsere Zusammenkünfte würzte, und erlebte endlich das hohe Glück, mich als souverainer unumschränkter Bierfürst anerkannt zu sehen.
Im Wesentlichen aber war mein Zweck so erreicht. Ich gab meinen Bierstaat der Lächerlichkeit mit Selbstverspottung Preis, und bewahrte dadurch meine Freunde vor politischen Träumereien, welche in späteren Zeiten eine so grausame Nemesis erfahren haben. Noch jetzt strömen mir jährlich von ergrauenden Familienvätern die Danksagungen zu, daß ich sie durch meine humoristische Cerevisia vor bürgerlichem und geistigem Tode bewahrt habe.
Wenn es bei unsern Commerschen Mitternacht geworden war, durfte kein Tropfen Bier eine ganze Stunde bis Ein Uhr getrunken werden. Die Mythe lehrte, dann habe die Cerevisia keine Eminenz. Diese sei wie einst Numa Pompilius bei der Nymphe Egeria im Hain, im Odenwald bei der Biervernunft. — Dies hatte die Folge, daß die Kopfwehbegabten nüchtern wurden, oder was noch besser war zu Hause gingen, eventualiter aber einen großen Hemmschuh beim Trinken anlegen mußten. — Bemerkenswerth ist, daß sich in der Cerevisia nie ein Streit unter den jungen Flammenköpfen entsponnen hat, der eine, unter den Studenten so leicht entstehende Foderung zur Folge gehabt hätte.
Bei den Schwaben befand sich dermalen ein gewisser X., der in den letzten beiden Semestern sich endlich entschloß, sich mit seiner Fachwissenschaft bekannt zu machen. Er fing nun zwar an bei verschlossenen Thüren zu studiren, aber bei seinem Höpfner Thibaut und corpus juris standen stets einige Bierkrüge, welche er zum Anderssein seiner Selbst gemacht hatte. Er trank sich regelmäßig alle Stunden mit folgenden Worten vor: »X. einen Schoppen vor — Gut war die Selbst-Antwort, einen Schoppen nach und wieder einen vor.« — Dies Vor- und Nachtrinken mußte nun bei Strafe des Bierverrufs innerhalb fünf Minuten geschehen. — Als nun X. einmal von Kameraden, die an der Thür gehorcht und in das Zimmer gedrungen waren, zwischen dem Vor- und Nachtrinken gestört, und durch diese höhere Macht, so wie durch sein Schamgefühl in den unverdienten Bierverruf gekommen war, dachte der ehrwürdige Cerevisianer, nachdem ihn die Landsleute verlassen, edel genug, diesen Bierschimpf nicht ertragen zu wollen, und die Größe X. paukte die Nichtgröße X. mutterseelen allein, auf eigne Hand, mit einer ungeheuren Quantität Gèrevis aus dem Status der Schande.
Um den Freunden der Karten einen Genuß zu bereiten, hatte ich ein Spiel erfunden, das nur um Bier und Ehre gespielt, und wozu, wie bei dem »Pernat,« gesungen wurde. Die Idee war, daß des Careau König die Eminenz sei, die andern Könige »Großkreutze,« welche sich unter einander stachen und auch bedient werden mußten, wenn die Eminenz ausgespielt wurde. Careau König stach Alles, Careau Dame, (das Bierfräulein) den Careau Buben, (den Bierjunker) die übrigen Careaus Cerevisianer stachen sich wie im Whist, aus alle andern Farben. Die Coeurs als »Bierrenoncen,« stachen die schwarzen Farben. Im Uebrigen zählte Alles in Mariage. Hätte ich Zeit dazu, ich würde das Spiel weiter ausbilden, da diese mir aber gar sehr mangelt, so will ich diese Arbeit einem Tage- oder Abend-Dieb überlassen. Das Spiel hatte übrigens viele Combinationen und Regeln, die ich zum Theil selbst schon vergessen hatte. Zwei und zwei spielten zusammen wie ein Whist. Diejenige Parthei, welche zuerst hundert zählen konnte, hatte gewonnen. Jedes bedeutende Ereigniß wurde mit Couplets begleitet. Sobald die Bierdame vom König gestochen wurde, sang man:
(Melodie: Gaudeamus.)
Venit, virgo hilaris
Casum nullum timens
Sed puella rapitur
Et a rege capitur