Rauschenbach war der beste Schläger unserer Burschenschaft, während die Landsmanschaften in dem Kurländer W. ihren Haupthahn hatten. Ein jedes Mitglied der einen Parthei hätte seinen ganzen Wechsel für ihren Heros verwettet, und so mußte es am Ende denn ja kommen, daß sich die beiden Herren befehdeten. Sie contrahirten:

»Morgen gehen Rauschenbach und W. auf der Hirschgasse mit einander los,« so hieß es eines Tages, und zwar in den Ferien, wo zwar kaum die Hälfte der Musensöhne in Heidelberg war aber von diesen wiederum kein Einziger in der Kampfhalle fehlte. —

So standen sich wie einst die Horatier und Kuriatier entgegen, jeder Theil für den Ruhm seines Kämpfers zitternd.

Allein der vierte Gang entschied zum Nachtheil der Burschenschaft. Rauschenbach schien durch die klobigen Schläge seines Gegners verwirrt, seine schnell erwiederten Hiebe fielen nur flach, er selbst aber bekam eine Wunde in den Arm. Da er der Beleidiger war, so war das Duell durch seine Verwundung beendigt.

Die naive Bemerkung des Überwundenen gegen seinen Gegner: »Mit Schlägern können Sie mir wohl etwas beibringen, allein ich fodre Sie, wenn meine Wunde einmal geheilt ist, auf einen Rappierjungen,« versetzte mich in eine humoristische Stimmung, nicht aber alle Burschenschaftlern, welche glaubten, Rauschenbach habe sich ein Dementi dadurch gegeben, weil er die Ehre der Fechtkunst höher als die der Burschenschaft setze. —

Diese Äußerung wurde auch von den Corps sehr malitiös, als die eines Manschottarii gedeutet, man lachte, wir nahmen hingegen natürlich die Parthie unseres Besiegten. In zehn Minuten waren vierzig Duelle contrahirt, welche indessen später durch die academische Polizei annullirt wurden.

Spaßhaft war die Beschreibung der Trauer eines sehr vornehmen Baseler, worin seine und jede vornehme Familie in dieser Kaufmannsstadt versetzt wird, wenn ein Sprößling derselben auf die Idee kommt, zu studiren. Es wird kein Mittel unversucht gelassen, um den Schwärmer von seiner unglücklichen Idee abzubringen. Zuletzt verspricht man ihm baldige Aufnahme in die Firma und wenn es gar nicht anders ist eine reiche Cousine. Ist alles vergeblich, so wird in einer Art Familienrath der bürgerlich Todte bei einer Tasse Thee beweint und über den Verfall der guten alten Zeit geseufzt.

Unter den freien Städtern gefielen mir die Frankfurter am meisten. Wer erinnert sich nicht des lustigen Sängers vom Prinzen Eugenius? Wer nicht des kräftigen O., des biedern F.? — Der liebenswürdige Bremer Castendyck ist schon vor mehreren Jahren als Amtmann in Bremerhafen gestorben. Von den Hamburgern sind diejenigen, welche überall etwas vom Studentenleben durchmachten, die Chargen der zufriedenen Unzufriedenen geworden. Unter den Aristokraten war schon damals oft ein Hauptstreit, wie viel Mark der und oder habe, ob der Commerz-Deputation löblich oder wohllöblich gebühre, u. dergl. m. Von den Hamburger Juristen ist zu sagen, daß sie viel für ihr Fach gelernt haben. Allein sie ergreifen auch größtentheils nur die practische Seite. Die lyrischen Anlagen im Menschen verlangen zu ihrer Entfaltung etwas Hunger und Unglück[3] sie weichen nur zu leicht von dem materiellen reichen Hamburger, bei dem nach der Börse ein glänzendes Abendessen einer reichbesetzten Mittagstafel folgt, welche nur durch einige Rubber Whist getrennt wird, etwa wie Hamburg und Altona nur durch die kurze Straße des Hamburger Berges geschieden sind. — Der geistvolle Bluhme mein alter Schulcamerad besuchte mich mit dem jetzt auch verstorbenen Siemsen in Heidelberg und verlebte frohe Tage bei uns, die ihn viel mehr anheimelten als sein Aufenthalt in Göttingen, wo man dermalen zwar sich nur selten nach neun Uhr in öffentlichen Wirthshäusern zeigte indessen desto mehr Verbotenes auf den einzelnen Kneipen trieb. —