Seine fernere Arbeit besteht alsdann nur darin, das Tactfeuer anzuschüren, wenn es zu erlöschen droht.

Der Graf von Erbach war ein kurioser Antiquitätenkrämer. Zu den vielen Rüstungen, welche er in einem Saale aufgespeichert, hatte sich auch der Helm eines der vierzigtausend Römer gesellt, welche in der Schlacht bei Cannä, den Landsleuten der heutigen Kabylen unterlegen sind. Noch singulärer und höchst unpoetisch waren einige Knochen des unglücklichen Abälards und seiner geliebten Heloise, ich glaube die Fistula und die Tibia dieses renommirten Brautpaars, Theile, welche doch wol der Kirchhof pére la Chaise bei Paris, wo bekanntlich die anderen Überreste der unglücklichen Liebenden dem jüngsten Tage entgegenschlummern, nach den Grundsätzen der Pertinenzien und Accessionen requiriren könnte. —

In Eilbach, etwa eine Meile davon, besaß der Graf sein Lustschloß, welches von innen und außen mit Geweihen verziert war. Ein einziger Saal enthielt lauter Abnormitäten dieses thierischen Kopfputzes. Vor allem prangte aber ein Hirschgeweih, als das größte der jetzt entdeckten Welt, ich glaube es war ein Acht und sechszig- oder gar ein hundert acht und zwanzig Ender. Seine Erlaucht hatte dies Monstrum (nach genaueren Nachforschungen wahrscheinlich das Geweih der Actäoe) von einem Bäcker u. Weinwirth in Nürnberg erstanden, welcher aber bald diesen unseligen Kauf verwünscht hatte. Denn seine Kunden hatten den Verkauf des Achtundsechszigenders sehr übel genommen und ihm ihre Unzufriedenheit durch allgemeines Wegbleiben von seinem Weinschank bitter intimirt. —

Der Bäcker, ein nicht bemittelter Mann, hatte bald die Erbachschen Carolinen zugesetzt und riskirte am Ende gänzliche Verarmung.

Um dieser zuvor zu kommen, ergriff er das Symbol derselben, einen weißen Stab und pilgerte damit zum Grafen nach Erbach.

Allein wie Napoleon den Bitten der schönsten Frauen widerstand, wenn es darauf ankam, eine Festung abzugeben, so erklärte der Herr Graf sich gegen den Bäcker für moralisch unfähig, das gewissermaßen tief in seine Seele verzweigte Geweih wieder auszukehren. Er schenkte dem weinenden Bäcker aber ohne alle Renumeration sein Hirschgeweih accessit, das zweite, sein ci devant Bestes, dem nur zwei Zacken gemangelt haben sollen, um dem Nürnberger zu gleichen, und soll dadurch dem so restituirten Wirth auch bei der Nürnberger Bürgerschaft Verzeihung und eine volle Weinstube wieder verschafft haben.

Eine sehr gewöhnliche Ausflucht der Studenten bestand alljährlich in einer Tour nach Baden-Baden, den reizendsten Kurort, den meine Augen je sahen. Leider ging hier ein beträchtlicher Theil der Studienkosten alljährlich verloren, und die oft projectirten weitern Reisen durch den Schwarzwald und in die Schweiz fanden an dem Todtentische des Roulets oder des trente et quarante, welches mit seinem trügerischen Grün so viele Leute anlockt, ihre Grenze. Man sollte die Tische wenigstens mit schwarzem Tuch bedecken und Todtenköpfe auf seine Ecken heften. Es befanden sich in Baden-Baden allezeit einige Studenten, welche ohne alle Baarschaft waren, gegen Abend auf die Chaussee nach Rastadt hingingen, — und von den ankommenden Landleuten, die mit Hoffnungen und Kronthalern versehen ankamen, einige Gulden liehen, — um dieselben noch an demselben Abend zu verlieren und wieder in ihr pauvres Nichts zurück zu sinken, bis sie nach mehreren Wiederholungen verschuldet, wortlos, erschöpft und mismuthig, physisch und moralisch verdorben in das Neckarathen zurückkehrten. — Ein ähnliches Spielinstitut hielten Sonntags zwei Darmstädter Juden in Auerbach, einem kleinen unbedeutenden Bade, etwa acht Stunden von Heidelberg. — Heut zu Tage findet sich die Verführung Heidelberg noch näher, in dem Schwefelbad Langenbrück, wo ein Bruchsaler Tabulettkrämer, mit einer solchen Satansschlinge die in großer Anzahl durchpassirenden oder dahin wallfahrenden Heidelberger Studenten die kostbarere Reise nach Baden zu ersparen, indem er sie auszuziehen pflegt, wie dies kaum auf einer Italienischen Reise die Wegelagerer thun. —

Ich wiederhole hier mein Catonisches »caeterum censeo« das wie ein rother Faden, durch alle meine Schriften laufen soll. Wann werden endlich einmal diese priveligirten Satanskünste, diese Garküchen der Hölle ausgerottet werden? — Man rechnet Louis Philipp manches, was sehr problematisch ist, zum Verdienst an; aber die Aufhebung der Spielhäuser in Paris sichert ihm allein einen ehrenvollen Platz im Pantheon.