»Wo sind die Heidelberger Burschen?

Die Heidelberger müssen mich sehen.«

Mit einer Art Respect wichen die jungen Musensöhne dem sichtbaren cidevant studio. Dieser aber hatte kaum die Heidelberger gefunden, als er Stille gebot und mit Stentorstimme ausrief:

»Kinder! ich bin »Rippel,« ich bin ein Avantagewort, ich bin Rippel, nachdem die Heidelberger Bierkrüge Rippel genannt werden.«

Die Wirkung dieses Ausrufs soll zwar höchst originell gewesen sein, doch sollen nur die humoristischen Burschen über den ewigen Cerevisianer gelacht, viele ihn arg geschmäht haben.

Gegen Ostern 1818 erließ Jena abermals eine Einladung an alle Burschenschaften und Landsmannschaften, zu einer allgemeinen Burschenschaftsversammlung. Heidelberg wählte mich zu seinem Großbotschafter und ich folgte diesem Ruf. Von Frankfurt bis Eisenach reis’te ich mit Carrové, gegen den ich in meiner Verblendung eine Menge Spottpfeile zur Vernichtung der Hegelschen Philosophie abschoß. Unsere Gespräche waren ohne Resultat. Wahrlich! mein Freund Stieffel in Carlsruhe hat Recht, wenn er sagt:

»Ein Lehrer der Philosophie kann seinen Schülern, welche so gern in der Vorstellung bleiben, die Sinnlichkeit nicht genug austreiben. Wenn man sich es am Wenigsten ersieht und meint sie in einem Luftballon der Erde entrückt zu haben, da sitzen sie im dichtesten Rohr und schneiden Pfeifen.« —

In Gotha fuhr ich mit einem Hauderer in das Thor. Ein Unterofficier trat an den Wagen, sah mich an und fragte dann nachlässig: »Doch kein Von?« Ich antwortete sehr prägnant »Zufällig ja,« weshalb ich nun eine Vernehmung ad personalia bestehen mußte. Als ich Gotha verließ, geschah dies zu Fuß, ohne daß man einen entfernten Versuch gemacht hätte, zu erfragen, ob ich ein Edelmann sei.

Als ich in Weimar angelangt war, fühlte ich das Verlangen, Schillers Grab zu sehen. Der Todtengräber verstand mich erst nicht als ich den Namen des größten Deutschen aussprach. Endlich aber faßte ihn sein Ohr doch auf, und er entgegnete: »Ach Sie meinen den Herrn »»Hofrath von Schiller,«« Ja der liegt hier. Der Herr Hofrath muß sehr viele Verbindungen in der Welt gehabt, in Geschäftssachen alle seine Kunden sehr gut bedient und sehr viel Gutes gethan haben, denn alle Reisende fragen nach dem Herrn Hofrath mehr, als nach allen Geheimeräthen.« — Damals wunderte ich mich, nachher habe ich in vielen Orten mehrere solche Todtengräber kennen gelernt, welche ihre Schriftsteller nur nach der Classe und Ordnung kennen, in welche sie das Linne’sche System des Staats, die Rangordnung setzt. — Aber in Weimar mag dies Ignoriren der großen Geister überhaupt zu Hause sein. —

»Das Nächste liegt uns oft zu fern.« Erzählt man sich doch von der Gemahlin des großen Göthe, daß sie bei dem Anblick eines Gedichts ausgerufen haben soll: »Ach das sind Fehrsche (Verse) der Herr Keheimerath macht auch Fehrsche