Die Collegien in Heidelberg fingen in wenigen Tagen wieder an. Mit dem Bewußtsein meine Burschenpflicht erfüllt zu haben, trat ich meine Rückreise über Erfurt und Göttingen an, wo ich in einer Nacht ein Paar Studenten, welche im Rausch »Bursch heraus« gerufen hatten, dadurch der Arrestation entriß und vor öffentlicher Relegation schützte, daß ich (vielleicht die einzige Lüge meines Lebens) mich für den Sohn eines Hannoverschen Ministers ausgab, und den nachgiebigen Pedellen meine hohe Protection versprach.
In Göttingen war ich verdammt, den Tod meines liebsten Jugendfreundes, Christian Kirchhof aus Uetersen zu erfahren, welcher zu Charkow in Südrußland, einige Tage vor seiner Rückkehr in die Heimath, nachdem er als Hauslehrer sich bei einem Grafen d’Olonne die erforderlichen Studienkosten verdient hatte, durch ein Nervenfieber weggerafft war. Sein Tod ergriff mich fürchterlich. Schlaflos und weinend langte ich nach einigen Tagen wieder in Heidelberg an. — Christian hat das Versprechen, mir nach dem Tode zu erscheinen, nicht gehalten.
Ende des ersten Bändchens.
Fußnoten:
[1] Ich glaube man rief aus Deutschthümelei: »Johann« anstatt »Jean!«
[2] Es ist ein großes Wunder, daß mit dem Abspringen der Rappierklinge nicht größeres Unheil angerichtet, als bisher geschehen ist. — Die Fechtmeister, welche bei dem Debit derselben verdienen, sind gewöhnlich eigennützig genug, das beste Präservativ dagegen nicht anzurathen, welches darin besteht, daß man vor dem Fechten die Klingen wärmt. Im Sommer zerspringt nicht der sechste Theil von denen, die im Winter entzwei gehen.
»Wer nie sein Brod mit Thränen aß,
Der kennt euch nicht ihr himmlischen Mächte.«