»Ich muß doch die Herren miteinander bekannt machen,« endete er.

»Der Herr Obergerichtsanwald D—s, ein braver couragöser Philister, der geistig immer Bursch geblieben und Herr Theodor v. Kobbe, Secretair und Deputirter der Heidelberger Burschenschaft, Eminenz der Heidelberger Cerevisia

»Da mein Freund Slenz es wünscht, so will ich die Herausfoderung überbringen,« sprach ich nach dem Sprichwort, qui cito dat, bis dat, schnell, aber nicht ohne einige Verstimmung. — Es galt aber doch auch in Kiel forsch zu debütiren, ich erkannte eine burschikose Notwendigkeit an.

O Sie Goldmann! rief D—r. Sie schaffen mir meine Ehre wieder! —

»Ich glaube nicht, daß der Kerl überall sich schlägt,« bemerkte Slenz.

»Muß, muß, muß, muß,« protestirte D—r. Auf Pistolen oder Degen, einerlei. Eine Narbe soll ihm schon gut stehen, in seinem fieberhaften Basiliogesicht. Wann befehlen Sie morgen frühe, daß ich zu Ihnen komme und Sie näher instruire?«

»Um acht Uhr stehe ich zu Dienste,« versetzte ich. Die acht Schläge waren noch nicht verklungen, als D—s in mein Zimmer trat. Nach einigen Minuten führte er mich vor die Wohnung des Advokaten D—r.

D—s war von einer angesehenen Kieler Patrifamilie. Auf dem Hinwege sprach er bei vielen seiner Jugendfreunde vor und erzählte ihnen, daß ich jetzt im Begriff sei, den Injurianten D—r zu fodern. Diese Mittheilung schien übrigens nicht viel Sympathie zu erregen, was mich verdroß. — Indessen, wer A gesagt hat muß B sagen, und geschah ja Alles aus Liebe für Slenz.

D—r war ein reicher Advokat. Man schätzte seinen Verdienst auf 8000 Rt. jährlich. Das war übrigens noch nicht das Meiste, welches ein Anwald verdiente. Der Advokat Adler in Altona hatte sogar eine jährliche Einnahme von 20000 Rt. angegeben, deren saurer Erwerb ihm freilich auch am Ende den Verstand kostete. — Zum Theil verdienten diese Herrn, und thun es noch, diese Summen durch Geldgeschäfte. Inzwischen wußten sie auch die juristischen Arbeiten schnell zu improvisiren. Der Advokat Hagemeister in Kiel, vulgo von den Bauern ohne alle Ironie »Hagelmeister« genannt, kam einmal in ein Gasthaus nach Neumunster, wohin sogleich mehrere Eingesessene des Ortes strömten, welche beim Landgericht einen Prozeß verloren, ihm das Urtheil zeigten und ihn um Rath fragten, ob sie appelliren sollten, und ob er in zweiter Instanz ihre Sache beim Glückstädter Obergericht führen wolle.

»Kinder,« erwiederte Hagemeister theilnehmend »ich habe gestern Abend schon von dem unglücklichen und unvernünftigen Urtheil gehört« — und nun las er aus seinen mitgebrachten Papieren, die einen ganz andern Gegenstand betrafen, und die vor dem Neumünster Amt verhandelt werden sollten, indem er dann und wann umblätterte, den horchenden triumphirenden am Ende ihren Prozeß im Geiste schon gewonnen habenden Bauern eine Deduction, ganz aus der Luft gegriffen vor, — so daß diese begeistert ausriefen: »Bravo, Herr Hagelmeister! dat schall Ihr Schad’ nich syn dat Se disse Nacht vör uns schreben hebbt.« — »Bravo Herr Hagelmeister! das soll Ihr Schaden nicht sein, daß Sie diese Nacht für uns geschrieben haben.« — — —