»Das kann ich nicht zugeben«, versetzte der Dichter lächelnd, »das kommt mir eben so vor, als wenn man sagen wollte, weil es bei hoher Strafe verboten ist, die Frauen Anderer zu umarmen, so müßte es doch bei kleiner Strafe verboten sein, seiner eigenen Frau ein Gleiches zu erweisen.«

Das Gespräch tournirte sich jetzt wieder auf die Dosen, worauf der alte Herr nach allen Excursionen in das Gebiet der Kunst und der Wissenschaft wieder zurück kam. »Wie gefällt Ihnen meine Liebhaberei«, fragte er mich sogar einmal.

»Sie ist allerliebst und einzig in ihrer Art,« versetzte ich mit Schonung. »Ich fühle mich selbst trotz meiner Seehund-Qualität davon ergriffen.«

»Ja, es ist eine schöne Liebhaberei,« versetzte der Alte ernst, »aber Gott bewahre Sie davor, sie macht einen fast zum Narren. — Denken Sie sich,« fuhr er dann heiterer fort, »früher hatte ich die lächerliche Passion für Pfeifenköpfe und besonders meerschaumene zu sammeln. Da hat sich doch mein Geschmack jetzt um Vieles geläutert.«

Es war bei diesen Unterhaltungen Abend geworden, der Baron erhob sich, mich führte die Neugierde in das Theater. Aber ich ennuyirte mich dort, es wurde eins von den niederträchtigen Conversationsstücken gegeben, womit man jetzt alle Bühnen überfluthet. Ich danke Gott, daß ich unverheirathet bin und daß ich nicht roth zu werden brauche, wenn meine Frau im Theater gewesen ist und ein Stück wie den beliebten »Ball zu Ellerbrunn,« und in demselben den Commissionsrath Zucker, seine Frau Gemahlin und dergleichen Charactere bewundert hat. — O lieber Vater Schiller! wie hatten die Recensenten Recht, aber wie schrecklich versündigten sie sich auch, als sie nachwiesen, daß deine meisten Menschen nicht lebensfähig, zu göttlich oder wie man sie auch nennt »Ideale« seien. — Das kann man freilich von den jetzigen nicht sagen, sie sind nur zu natürlich, aber auch von der Sorte, daß, wenn alle Personen einer solchen Komödie mit meiner Hündin Diana in das Wasser plumpsen, ich es vor Gott verantworten will, wenn ich meine Vierfüßlerin, welche durch ihre Treue das Thier besiegt hat, par preference vor diesen entgöttlichten Menschen, rette.

Eine Pause erregte in mir das Bedürfniß ein Glas Bier zu trinken. Wie jener ein herrliches Haus gebaut aber die Treppe vergessen hatte, so haben die genußsüchtigen Frankfurter zu spät an eine Buvette gedacht, die sich noch jetzt in Form einer kleinen Barbierstube im Theater befindet. Indessen wird auch hier kein Cerevis dispensirt, ich war daher in ein benachbartes Haus gegangen, wo der braune Stoff mir auf Begehren von einer freundlichen Wirthin gereicht wurde.

In dem Gastzimmer saßen Frankfurter Bürger zweiten Grades. Die Primasorte ist daran zu kennen, daß sie auf den Rath, der doch nicht rathlos ist, auf den Bundestag, der doch viel schweres Geld dort verzehrt, und auf die schlechten Zeiten schimpft, wobei sie für so viel Geld Wein vertrinkt, daß sie wenigstens in ihrem Rayon die schlechten zu guten Zeiten machen könnte. Es waren vielmehr nur jüngere Professionisten dort zu sehen, alle fröhlichen Gemüths, die noch zu wenig Misantropen schienen um Unzufriedenheit zur Zufriedenheit zu gebrauchen, Ihre Reden gefielen mir, ich setzte mich zu ihnen — willig machten sie mir Platz.

Mein Bier folgte mir. Ich bemerkte, daß das Getränk der übrigen viel heller war als das meinige.

Ich forschte nach der Ursache.