»Sehe Sie,« sagte er, »ich hab in Zwingeberg ä Onkel gehabt wo kinderlos war und ä angenommene Tochter hatte. Des Mädel ist die Tochter von ä Baiersche Offizier, wo vor Hanau erschossen ist. Die Babett ist ä schönes und gutes Mädche und wir ware halb wege einig, und der Onkel wo mein Herr Vettrich (Gevatter) ist, war auch damit einverstande. Aber zum Unglück machte der Onkel selbst Eppelwein und de miserabelste verfluchteste wo ich in meinem ganze Lebe getrunke hab’. — Damit wollt er mich nun allezeit tractire und ich mußt ihn mir gefalle lasse, auch kam mir der Sauerampfer von Wein nit so spottschlecht vor wenn ich ihn auf das Wohl der mich so freundlich anblickende Babett hinunter stürzte.« »Gelt Joseph?« pflegte denn mein Onkel zu sage, »mein Eppelwein ist besser als dei Frankfurter?« — Ich nickte fast allemal ein »Ja« und erfreute dadurch meinen dicken rothnasigen Oheim nit wenig. — Da begab es sich, daß wir an eine Sonntag in das benachbarte Bad Auerbach fuhre. — Kenne Sie Auerbach und de Wirth Dieffenbach?«

»Ob ich sie kenne? auch die heilige Justiz, welche von einem bucklichten Schneider dort verwaltet wird,« entgegnete ich fast verstimmt.

»Es ist dort schön, gelte Sie?« fuhr der Apfelwein-Panegyricker fort. — »An dem Tag wurde ich mit Babett ganz einig, wir gelobte uns Herz und Hand und beschlosse unsere Angelegenheit noch an demselbe Abend de Onkel vorzutrage. — Der mogt auch schon was davon gespürt habe, er sah so piffig aus, und war kreuzfidel dabei. — Leider kam er auf die Unglücksidee Champagnerwein komme zu lassen.

»Nun, der ist doch besser wie Apfelwein?« fragte ich.

»Ei Gott bewahre,« entgegnete der Redner. »Des ist der schlechteste Wein wo uf der ganze Welt wächst. Der macht Eine ganz verrückt. Wann ich Champagner getrunke hab da werd ich so wüthend wie ä wild Thier, wann mir Ener nur en einzig Widerwort giebt.«

»Geriethen Sie denn durch den Champagner gar in Streit mit Ihrer Babett,« forschte ich.

»Nein des nit«, erwiederte der Schreiner, »es ging auch im Anfang mit de Onkel gut. Ich hielt mich wunderbar. Als wir aber zu Haus angelangt ware, da reitet ihn der Teufel, er verlangt ich soll Eppelwein mit ihm trinke.«

»Nun und das wollten Sie nicht?«

»Ich konnte keine halbe Schoppe hinunter bringe. Der Onkel drang indessen darauf, daß ich mit ihm von seine Necktar trinke sollte. Ich erklärte ihm jetzt, durch de verdammte Champagner zu ä Plaudertasch gemacht, daß unter Eppelwein und Eppelwein ä grosser Unterschied sei und daß ich den seinige für hundsschlecht erkläre müsse. — Das reizte aber de Alte fürchterlich. Geh, rief er aus, ich will als nichts mehr mit eine so ungerathene Bub zu thun habe. Du bist nit mehr mein Neveu, ich bin nit mehr dein Vettrich und Oheim. Wer nit mei Eppelwein trinkt, der ist nit von meine Blut. — Ich blieb die Antwort nit schuldig, der Wortwechsel führte zum Handgemenge. Der Onkel rief seine Leute, man drängte mich als zum Tempel hinaus warf und mir meine Effecte nach.«