»Komm mir nit wieder vor de Auge oder ich hetz meine Hund auf Dich,« ware die letzte Worte, die mein fast vor Wuth erstickende gewesene Erblasser mir oben aus Babetts Fenster zurief. — Ihr Schluchze das ich obe zu vernehme glaubte, fing an mich zu entnüchtern. Dieser Proceß wurde noch vollends durch eine Platzrege vollendet, der mir uf de Kopp fiel.«
»Als ich am andere Morge meine Rausch verschlafe, eilte ich von Verdruß, Beschämung und Liebe gespornt in das Haus meines Oheims. Aber wie erschrack ich als ich von der alte Haushälterin die Schreckensnachricht erfuhr, daß mein alter Oheim Müller schon seit drei Stunde mit Babett nach Italien abgereis’t sei. — »Sei letztsch Wort ischt ä Fluch über Sie gewese,« endete der alte schwäbische Drache.«
»Was war zu thun? Weder meine Zeit noch mein Geschäft (ich wurde dermale stündlich in Frankfurt zurück erwartet) erlaubte mir, de Oheim nachzureise. Ihm oder der Babett zu schreibe war auch total unmöglich, da ich ihre Address nit wußte. Ich ergab mich in Geduld, deren schon mürb gewordener Fade freilich am Ende vollends riß, als ich in der Frankfurter Oberpostamtszeitung nach einem Vierteljahre vollends las, daß mein Bräutchen Babett Reichard in Mühlheim mit eine Badischen Parrer verheirathet sei. Sie hatte sogar die Unverschämtheit mir diese Schritt selbst anzuzeige, indem sie denselbe damit entschuldigte, ihr Pflegvatter, mein Oheim habe ihr keine Ruh gelassen, bis sie de Bewerber nähm und ihr mit völliger Enterbung gedroht, wenn sie den Eppelwein-Verächter, womit er mich gemeint, nähm. Sie fügte noch am Ende die beide leidige Sprichwörter hinzu: Man muß aus der Noth eine Tugend mache, ich aber sollte mich mit dem Satz tröste: Ein ander Städtche ein ander Mädche.«
»Es sind jetzt vier Jahre verflosse seit jener Zeit. Ich bin anderweitig verheirathet und hab Gott sei Dank ä gute Frau bekomme. Der Onkel hat sich längst todt gesoffe in seine saure Wein und die Babett ist ungesund und harthörig geworde. — Ich sag oft zu mir selbst wer weiß wozu de Geschichte gut war. Und ich kann behaupte, der Eppelwein hier schmeckt mir immer noch mal so gut, wenn ich dran denk, wie ich ihn vertheidigt und so viel um ihn verlore habe. Und darum bleib ich uf meine Satz. — Eppelwein und Eppelwein ist ä Unterschied.« —
Ich aber stimmte in die nunmehro auch erlernte Rundrede: »Eppelwein und Eppelwein ist ä großer Unterschied,« und verließ den großen Eppelweinmärtyrer, der wie so viele Menschen doch nur einer einzigen leichtsinnigen Minute sein ganzes Unglück, seinen Stoizismus und seine Begeisterung für den Eppelwein verdankte.
Während seiner Rede, die übrigens immer auf einen und denselben Satz hinauslief, war ich lebhaft an die Shakespearsche Rede des Antonius erinnert und an seinen Refrain:
Doch Brutus sagt: daß er voll Herrschsucht war,
Und Brutus ist ein ehrenwerther Mann.