Hehtst Du nich Jan Matzen?
die Antwort
»Ne, Klas Matzen.«
erhielt.
Ich erkenne es übrigens für ein Glück, meine Jugend in einem andern Staate, als meine späteren Jahre, verlebt zu haben. Sie ist mir reiner, heiliger und frischer geblieben. Am Ende geht es den Menschen wie den Kartoffeln: sie gedeihen besser, wenn sie verpflanzt werden. Wenn man erst in der Fremde heimisch werden muß, so lernt man den Herrn Jesum Christum auch besser erkennen. —
Ich kann bei diesem Simultaneo, Gott sei Dank! eine humoristische Iliade und Aeneide singen, und das ist viel werth.
Ich reis’te also von Uetersen ab. Mein Abschied wurde mir damals sowol durch die Aussicht, nach Hamburg zu kommen, als durch den Umstand erleichtert, daß Uetersen damals von einer gräßlichen Seuche, der Ruhr, heimgesucht wurde, welche in dem etwa aus 400 Feuerstellen bestehenden Orte damals kaum fünf Häuser, aber auch das unsrige, verschont und fast aus allen ein Opfer gefordert hatte. Kurios ist es, daß überhaupt Holstein, wenigstens in meiner Jugendzeit, viel heftiger, als irgend ein Land, von ihr bedroht wurde, die dermalen viel heftiger wüthete, als es irgendwo die menschenmörderische Cholera ihr nachgethan hat. Gewöhnlich begann sie im Dorf Kaltenkirchen, welches, wenn ich nicht irre, an der Poststraße von Hamburg nach Kiel liegt, und dann sofort gesperrt wurde. Ich habe oft über die Gründe dieses endemischen Uebels nachgedacht, vielleicht sind die frischen Seewinde daran Schuld, welche namentlich des Abends die in der Sommerzeit erhitzte Luft urplötzlich kühlen. Euch, lieben Landsleuten! aber will ich vorläufig ein sicheres Präservativ gegen diese Krankheit anvertrauen. Es ist dieses ein solches, welches ich kürzlich von dem Nichtdoctor, aber geschickten Arzt Prießnitz erlernt und sehr bewährt gefunden habe. Tragt in dieser Zeit ein nasses, ausgerungenes Tuch um den Unterleib, und stärkt Eure Haut dadurch, daß Ihr, sobald Ihr aus dem Bette kommt, Euch eine halbe Minute in eiskaltem Wasser badet. Probatum est. Merke Du Dir es vor allen Dingen, jedesmaliger pro tempore Pastor in Kaltenkirchen!
Mein Weg führte mich über Dummerjan, Jappob, Luhrop[2] nach Hamburg. Der Wirth im ersten Wirthshause, welcher mich von Jugend auf kannte, ertheilte mir seinen väterlichen Segen. Ich habe aber doch nicht den Segen der Dummheit in der Welt gespürt, ohne klug geworden zu sein, und verzweifle daher an der Görgentheorie Gellert’s.
Als ich in Altona ankam, wurde ich zu dem prächtigsten Feste geladen, das meine Augen je gesehen. Es wurde dies in Altona und zwar in dem Rainvill’schen Hotel lediglich auf Kosten des Königs von Dänemark zu Ehren der ganzen russischen Generalität und vorzüglich dem General Grafen von Benningsen gegeben, und soll nach Einigen 12,000, nach Andern 20,000 Thaler gekostet haben. Der ganze, nur für die Feierlichkeit erbaute Salon war auf das Geschmackvollste drappirt, und wurde während der Abendtafel, wie durch einen Zauberschlag, gänzlich umgewandelt, indem man alle Seitenwände mit Bildern schmückte, welche die elegantesten russischen Bauten und Gegenden darstellten. Ich vergesse das Erstaunen und die Ausrufungen nicht, welche den guten Skys und Skas und Witschs entströmten, als sie sich so in die heimathlichen Gegenden versetzt sahen.