Kein Wörtlein hörte ich mehr aus dem Munde der Zuschauer. Die Kinder hatten sich hinter ihre Väter versteckt. Überall tiefes, angstvolles Schweigen.

Nun standen die beiden droben unter den hergerichteten Galgen. Den jüngern der Brüder sah man heftig weinen.

Bis dahin hatte auch Rudi angstvoll nach der Richtstätte hinübergespäht; nun konnte er den Anblick nicht länger mehr aushalten. Weinend lief er die Treppe hinunter und verschwand nach den Zimmern der Herrschaft.

Auch ich wäre am liebsten davongelaufen, aber die Raben von drüben waren immer näher gekommen; einzelne hockten schon auf den Bäumen grade unter unserm Turm. Sollten vielleicht auch meine Eltern jetzt heranfliegen? Der Gedanke allein hielt mich zurück.

Da ich wieder nach der Richtstätte hinblickte, baumelte schon der ältere der beiden Verbrecher zwischen Himmel und Erde. Leise drehte er am Stricke hin und her. Einige Male ging noch ein hastiges Zittern und Zucken durch seinen Leib; dann hing er schlaff und regungslos.

Schon stand die Leiter am zweiten Galgen. Leichenblaß stieg der jüngere Heintzen hinauf. Seine Knie schlotterten, daß ich jeden Augenblick fürchtete, er werde heruntertaumeln. Aber schon hatte ihm der schwarzgekleidete Scharfrichter den Strick umgelegt. Mit hastigem Rucke stieß er auch ihn von der Leiter herab.

In tiefem Schweigen war das schaurige Werk vor sich gegangen. Nur die wenigsten der Zuschauer kamen näher an den Galgen heran. Langsam und lautlos verschwanden sie talabwärts nach verschiedenen Richtungen. Auch Scharfrichter und Schergen kehrten zur Burg zurück. Nun standen die beiden Galgen einsam und verlassen mit den an ihnen hängenden Toten.

Solch Grauenhaftes habe ich in meinem Leben nicht wieder gesehen. Diesen schaurigen Anblick kann ich nie vergessen, und sollte mein Leben noch 100 weitere Jahre dauern.

Regungslos hingen die Mörder da mit fahlem, entstelltem Gesicht. Und erst ihre blaue heraushängende Zunge!“ ...

Jäh hatte Väterchen Hans seine Erzählung abgebrochen. Scheu sahen die Räblein um sich. Jeder freute sich, daß er nicht allein war.