„Nein Väterchen, das nicht,“ wehrte Rassi, „das wissen wir schon, ich höre lieber von der alten Zeit. Wurden also die Franzosen im Kampfe Meister, Väterchen Hans, und haben sie nachher die Priester verfolgt und die jungen Männer zum Kriegsdienst ausgehoben, wie du eben vorhin sagtest?“
XIII.
„Jawohl Rassi, nun kam für die Gaue der Heimat eine gar schlimme Zeit. Ihr Gewissen verbot den Priestern des Öslings, den für sie vorgeschriebenen Eid zu leisten. Wenn sie ihn nicht leisteten, wartete ihrer die Verfolgung. Am 14. Brumaire des Jahres 7 ihrer neuen Zeitrechnung erschien das Verfolgungsdekret. 417 Priester des Wälderdepartements, so nannte man damals unser Land, wurden durch dieses Schreiben verbannt. Ein Teil derselben, den sie fangen konnten, wurde weit weggeführt nach den Inseln des Meeres nach Cayenne, Ré u. s. w. Unsägliches mußten sie unterwegs oder am Ort ihrer Verbannung leiden.“
„Konnten sie denn nicht fortlaufen, Väterchen? Ich hätte mich vor den Verfolgern versteckt. Gute Leute hätten gewiß diese Priester nicht im Stich gelassen und hätten doch sicher für sie gesorgt!“
„Gewiß Rassi, so geschah es auch vielfach. Den größten Teil dieser Priester fanden die Franzosen nicht. Einzelne flüchteten über den Rhein, andere verbargen sich in Kellern, Wäldern und Klüften. Zwar durcheilten französische Gendarmen die ganze Gegend und fahndeten nach ihnen, aber oftmals umsonst. Manchmal habe ich mich im Herzen gefreut, wenn ich sah, wie die braven Leute treu zu ihnen standen, und wie sie immer eine neue List zu erfinden wußten, um die Häscher zu täuschen.“
„Hast du denn nie einen solchen Priester im Walde begegnet, Väterchen?“
„Gewiß, Rassi, mehr denn einmal. Im Spätsommer war es, wo ich oft am frühen Sonntagmorgen, wenn kaum noch der Tag graute, die Leute der Gegend behutsam durch den Ginster schreiten sah. Von Marnach herunter und aus dem Tale kamen sie, von Pintsch, Drauffelt und Wilwerwiltz, dem sogenannten „Kirchspiel“. „Wird’s eine neue Verschwörung werden?“ fragte ich mich, als ich sie zum ersten Male kommen sah. „Sollen sie des unerhörten Druckes, der auf ihnen lastet, müde, von neuem zu den Waffen greifen und noch einmal in einem Aufstand die verlorene Freiheit wiederzugewinnen suchen?“ Da sie alle nach derselben Richtung gingen, entschloß ich mich, ihnen heimlich zu folgen, um zu sehen, was vorging.