Sie war wieder bei dem Worte angelangt, diesem Worte, das sie nicht wiederholte. Plötzlich aber tat sie einen Schritt vorwärts und sagte mit unvermittelt ruhiger und sanft interessierter Stimme: »Wie allerliebst. Woher ist das, Mama?«
Sie wies mit dem Kinn auf einen kleinen Behälter, einen rohrgeflochtenen Korb, einen zierlichen kleinen Ständer, mit Atlasschleifen geschmückt, in dem die Konsulin seit einiger Zeit ihre Handarbeit zu bewahren pflegte.
»Ich habe ihn mir zugelegt«, antwortete die alte Dame; »ich hatte ihn nötig.«
»Vornehm!« … sagte Tony, indem sie das Gestell mit seitwärts geneigtem Kopfe betrachtete. Auch die Konsulin ließ ihre Augen auf dem Gegenstande ruhen, aber ohne ihn zu sehen, in tiefen Gedanken.
»Nun, meine liebe Tony«, sagte sie endlich, indem sie ihrer Tochter noch einmal die Hände entgegenstreckte, »wie die Dinge auch liegen mögen: du bist da, und so sei mir denn aufs herzlichste willkommen, mein Kind. Mit ruhigerem Gemüte wird sich alles besprechen lassen … Lege ab, in deinem Zimmer, mach' es dir bequem … Ida!?« rief sie mit erhobener Stimme in den Eßsaal hinein. »Daß Kuverts aufgelegt werden für Madame Permaneder und Erika, Liebe!«
Zehntes Kapitel
Tony hatte sich gleich nach Tische in ihr Schlafzimmer zurückgezogen, denn während des Essens war ihr durch die Konsulin die Vermutung bestätigt worden, daß Thomas um ihre Ankunft wisse … und sie schien auf das Zusammentreffen mit ihm nicht sonderlich begierig zu sein.
Um sechs Uhr nachmittags kam der Konsul herauf. Er begab sich ins Landschaftszimmer, woselbst er eine lange Unterredung mit seiner Mutter hatte.
»Und wie ist sie?« fragte er. »Wie benimmt sie sich?«
»Ach, Tom, ich fürchte, sie ist unversöhnlich … Mein Gott, sie ist so sehr gereizt … Und dann dieses Wort … wenn ich nur das Wort wüßte, das er gesagt hat …«