»Ich gehe zu ihr.«

»Tu' das, Tom. Aber klopfe leise, daß sie nicht erschrickt, und bleibe ruhig, hörst du? Ihre Nerven sind in Unordnung … Sie hat fast nichts gegessen … Es ist ihr Magen, weißt du … Sprich mit Ruhe zu ihr.«

Rasch, mit gewohnheitsmäßiger Eile immer eine Stufe überspringend, stieg er die Treppe zur zweiten Etage empor, indem er sinnend an seinem Schnurrbart drehte. Aber schon während er pochte, hellte sein Gesicht sich auf, denn er war entschlossen, die Angelegenheit so lange wie nur möglich mit Humor zu behandeln.

Er öffnete auf ein leidend klingendes Herein und fand Frau Permaneder vollständig angekleidet auf dem Bette liegend, dessen Vorhänge zurückgeschlagen waren, das Plumeau hinter dem Rücken, ein Fläschchen mit Magentropfen neben sich auf dem Nachttischchen. Sie wandte sich ein wenig, stützte den Kopf auf die Hand und sah ihm mit einem schmollenden Lächeln entgegen. Er verbeugte sich sehr tief, indem er mit ausgebreiteten Händen eine feierliche Geste beschrieb.

»Gnädige Frau …! Was verschafft uns die Ehre, diese Haupt- und Residenzstädterin …«

»Gib mir einen Kuß, Tom«, sagte sie und richtete sich auf, um ihm ihre Wange darzubieten und sich dann wieder zurücksinken zu lassen. »Guten Tag, mein guter Junge! Du bist ganz unverändert, wie ich sehe, seit euren Münchener Tagen!«

»Na, darüber kannst du hier bei geschlossenen Rouleaus wohl kein Urteil haben, meine Teure. Und jedenfalls hättest du mir das Kompliment nicht vor der Nase wegnehmen dürfen, denn es gebührt natürlich dir …«

Er hatte, während er ihre Hand in der seinen hielt, einen Stuhl herbeigezogen und sich zu ihr gesetzt.

»Wie schon so oft ausgesprochen: du und Klothilde …«

»Pfui, Tom!… Wie geht es Thilda?«