„Oh, ich bitte, Ingenieur, keine Unterstellungen! Ich verachte die Paradoxe, ich hasse sie! Lassen Sie sich alles, was ich Ihnen über die Ironie bemerkte, auch vom Paradoxon gesagt sein, und noch einiges mehr! Das Paradoxon ist die Giftblüte des Quietismus, das Schillern des faulig gewordenen Geistes, die größte Liederlichkeit von allen! Im übrigen stelle ich fest, daß Sie wieder einmal die Krankheit in Schutz nehmen ...“

„Nein, was Sie sagen, interessiert mich. Es erinnert geradezu an manches, was Dr. Krokowski an seinen Montagen vorbringt. Auch er erklärt die organische Krankheit für eine sekundäre Erscheinung.“

„Kein ganz reinlicher Idealist.“

„Was haben Sie gegen ihn?“

„Eben dies.“

„Sind Sie schlecht auf die Analyse zu sprechen?“

„Nicht jeden Tag. – Sehr schlecht und sehr gut, beides abwechselnd, Ingenieur.“

„Wie soll ich das verstehen?“

„Die Analyse ist gut als Werkzeug der Aufklärung und der Zivilisation, gut, insofern sie dumme Überzeugungen erschüttert, natürliche Vorurteile auflöst und die Autorität unterwühlt, gut, mit anderen Worten, indem sie befreit, verfeinert, vermenschlicht und Knechte reif macht zur Freiheit. Sie ist schlecht, sehr schlecht, insofern sie die Tat verhindert, das Leben an den Wurzeln schädigt, unfähig, es zu gestalten. Die Analyse kann eine sehr unappetitliche Sache sein, unappetitlich wie der Tod, zu dem sie denn doch wohl eigentlich gehören mag, – verwandt dem Grabe und seiner anrüchigen Anatomie ...“

„Gut gebrüllt, Löwe“, konnte Hans Castorp nicht umhin zu denken, wie gewöhnlich, wenn Herr Settembrini etwas Pädagogisches geäußert. Er sagte aber nur: