„Aber Herr Settembrini – ich bin ja eigentlich noch Student und fange erst an.“
„Gewiß, und aller Anfang ist schwer. Überhaupt, alle Arbeit ist schwer, die diesen Namen verdient, nicht wahr?“
„Ja, das weiß der Teufel!“ sagte Hans Castorp, und es kam ihm von Herzen.
Settembrini zog rasch die Brauen empor.
„Sogar den Teufel rufen Sie an,“ sagte er, „um das zu bekräftigen? Den leibhaftigen Satan? Wissen Sie auch, daß mein großer Lehrer eine Hymne an ihn gerichtet hat?“
„Erlauben Sie,“ sagte Hans Castorp, „an den Teufel?“
„An ihn selbst. Sie wird in meiner Heimat zuweilen gesungen, bei festlichen Gelegenheiten. O salute, o Satana, o Ribellione, o forza vindice della Ragione ... Ein herrliches Lied! Aber dieser Teufel war es wohl kaum, den Sie im Sinne hatten, denn er steht mit der Arbeit auf ausgezeichnetem Fuß. Der, den Sie meinten, und der die Arbeit verabscheut, weil er sie zu fürchten hat, ist vermutlich jener andere, von dem es heißt, daß man ihm nicht den kleinen Finger reichen soll –“
Das alles wirkte recht sonderbar auf den guten Hans Castorp. Italienisch verstand er nicht, und das Übrige war ihm auch nicht behaglicher. Es schmeckte nach Sonntagspredigt, obgleich es in leichtem und scherzhaftem Plauderton vorgetragen wurde. Er sah seinen Vetter an, der die Augen niederschlug, und sagte dann:
„Ach, Herr Settembrini, Sie nehmen meine Worte viel zu genau. Das mit dem Teufel war nur so eine Redewendung von mir, ich versichere Sie!“
„Irgend jemand muß Geist haben“, sagte Settembrini, indem er melancholisch in die Luft blickte. Aber sich wieder belebend, erheiternd und anmutig einlenkend fuhr er fort: