Von heimatlichen Dingen war nicht die Rede, weder von persönlich-familiären, noch städtischen, noch geschäftlichen, noch von der Firma Tunder & Wilms, Schiffswerft, Maschinenfabrik und Kesselschmiede, die immer noch auf den Eintritt des jungen Praktikanten wartete, was aber natürlich so wenig ihre einzige Beschäftigung war, daß man sich fragen mochte, ob sie überhaupt noch wartete. James Tienappel hatte wohl alle diese Gegenstände während der Wagenfahrt und später berührt, aber sie waren zu Boden gefallen und tot liegen geblieben, – abgeprallt von Hans Castorps ruhiger, bestimmter und ungekünstelter Gleichgültigkeit, einer Art von Unberührbarkeit oder Gefeitheit, die an sein Unempfindlichsein gegen die herbstliche Abendkühle, an sein Wort „Uns friert nicht“, erinnerte und vielleicht Ursache war, weshalb sein Onkel ihn manchmal so unverwandt betrachtete. Auch von der Oberin, den Ärzten ging die Unterhaltung, von den Konferenzen Dr. Krokowskis – es traf sich, daß James einer davon beiwohnen würde, wenn er acht Tage blieb. Wer sagte dem Neffen, daß der Onkel gewillt sei, den Vortrag zu besuchen? Niemand. Er nahm es an, setzte es mit so ruhiger Bestimmtheit als ausgemacht voraus, daß jenem selbst der Gedanke, er könne etwa nicht daran teilnehmen, in unnatürlichem Lichte erscheinen mußte, und daß er mit eiligem „Gewiß, selbstvers-tändlich“ jedem Verdachte zuvorzukommen suchte, als habe er einen Augenblick Unmögliches geplant. Dies eben war die Macht, deren unbestimmte, aber zwingende Empfindung Herrn Tienappel unbewußt anhielt, den Vetter zu betrachten, – jetzt übrigens mit offenem Munde, denn der Atmungsweg der Nase hatte sich ihm verschlossen, obgleich seines Wissens der Konsul keinen Schnupfen hatte. Er hörte seinen Verwandten von der Krankheit sprechen, die hier das gemeinsame Berufsinteresse aller bildete, und von der Aufnahmelustigkeit für sie; von Hans Castorps eigenem bescheidenen, aber langwierigen Fall, dem Reiz, den die Bazillen auf die Gewebszellen der Luftröhrenverästelungen und der Lungenbläschen ausübten, der Tuberkelbildung und Erzeugung löslicher Beschwipsungsgifte, dem Zellenzerfall und Verkäsungsprozeß, von dem dann die Frage sei, ob er durch kalkige Petrifizierung und bindegewebige Vernarbung zu heilsamem Stillstand gelange oder zu größeren Erweichungsherden sich fortbilde, umsichgreifende Löcher fresse und das Organ zerstöre. Er hörte von der wild beschleunigten, galoppierenden Form dieses Vorganges, die in ein paar Monaten schon, ja in Wochen zum Exitus führe, hörte von Pneumotomie, des Hofrats meisterlich geübtem Handwerk, von Lungenresektion, wie sie morgen oder demnächst bei einer neueingetroffenen Schweren, einer ursprünglich reizenden Schottin, vorgenommen werden sollte, die von Gangraena pulmonum, vom Lungenbrande ergriffen worden sei, so daß eine schwärzlich-grüne Verpestung in ihr walte und sie den ganzen Tag zerstäubte Karbolsäurelösung einatme, um nicht aus Ekel vor sich selber den Verstand zu verlieren: – und plötzlich geschah es dem Konsul, völlig unerwartet für ihn selbst und zu seiner größten Beschämung, daß er herausplatzte. Prustend lachte er los, besann und beherrschte sich freilich sofort mit Schrecken, hustete und suchte das sinnlos Geschehene auf alle Weise zu vertuschen, – wobei er übrigens zu seiner Beruhigung, die aber neue Beunruhigung in sich trug, wahrnahm, daß Hans Castorp sich um den Unfall, der ihm unmöglich entgangen sein konnte, gar nicht kümmerte, vielmehr mit einer Achtlosigkeit darüber hinwegging, die sich nicht etwa als Takt, Rücksicht, Höflichkeit, sondern als reine Gleichgültigkeit und Unberührbarkeit, als eine Duldsamkeit unheimlichen Grades kennzeichnete, wie wenn er es längst verlernt hätte, sich durch solche Vorkommnisse befremdet zu fühlen. Sei es aber, daß der Konsul seinem Heiterkeitsausbruch nachträglich ein Mäntelchen von Vernunft und Sinn umzuhängen wünschte oder in welchem Zusammenhange sonst, – plötzlich brach er ein Männer- und Klubgespräch vom Zaun, fing mit hochgeschwollenen Kopfadern an, von einer sogenannten „Chansonette“, einer Bänkelsängerin zu reden, einem ganz tollen Weibsstück, das zurzeit in St. Pauli ihr Wesen treibe und mit ihren temperamentgeladenen Reizen, die er dem Vetter schilderte, die Herrenwelt der Heimatrepublik in Atem halte. Seine Zunge lallte etwas bei diesen Erzählungen, doch brauchte er sich davon nicht anfechten zu lassen, da sich die nicht zu befremdende Duldsamkeit seines Gegenübers offenbar auch auf diese Erscheinung erstreckte. Immerhin wurde ihm die übermächtige Reisemüdigkeit, deren Opfer er war, allmählich so deutlich, daß er schon gegen halb 11 Uhr die Beendigung des Beisammenseins befürwortete und es innerlich wenig begrüßte, daß es in der Halle noch zu einer Begegnung mit dem mehrfach erwähnten Dr. Krokowski kam, der zeitunglesend an der Tür eines Salons gesessen hatte, und mit dem sein Neffe ihn bekannt machte. Auf die stämmig-heitere Anrede des Doktors wußte er fast nichts anderes mehr als „Gewiß, selbstvers-tändlich“, zu erwidern und war froh, als sein Neffe sich mit der Ankündigung, er werde ihn morgen um 8 Uhr zum Frühstück abholen, auf dem Balkonwege aus Joachims desinfiziertem Zimmer in sein eigenes begeben hatte und er mit der gewohnten Gute-Nacht-Zigarette sich ins Bett des Fahnenflüchtlings fallen lassen konnte. Um ein Haar hätte er Feuersbrunst gestiftet, da er zweimal, das glimmende Räucherwerk zwischen den Lippen, in Schlaf verfiel.

James Tienappel, den Hans Castorp abwechselnd „Onkel James“ und einfach nur „James“ anredete, war ein langbeiniger Herr von gegen Vierzig, gekleidet in englische Stoffe und blütenhafte Wäsche, mit kanariengelbem, gelichtetem Haar, nahe beisammenliegenden blauen Augen, einem strohigen, gestutzten, halb wegrasierten Schnurrbärtchen und bestens gepflegten Händen. Gatte und Vater seit einigen Jahren, ohne darum genötigt gewesen zu sein, die geräumige Villa des alten Konsuls am Harvestehuder Weg zu verlassen, – vermählt mit einer Angehörigen seines Gesellschaftskreises, die ebenso zivilisiert und fein, von ebenso leiser, rascher und spitzig-höflicher Sprechweise war wie er selbst, gab er zu Hause einen sehr energischen, umsichtigen und bei aller Eleganz kalt sachlichen Geschäftsmann ab, nahm aber in fremdem Sittenbereich, auf Reisen, etwa im Süden des Landes, ein gewisses überstürztes Entgegenkommen in sein Wesen auf, eine höflich eilfertige Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung, in der sich nichts weniger als eine Unsicherheit der eigenen Kultur, sondern im Gegenteil das Bewußtsein ihrer starken Geschlossenheit bekundete, nebst dem Wunsche, seine aristokratische Bedingtheit zu korrigieren und selbst inmitten von Lebensformen, die er unglaublich fand, nichts von Befremdung merken zu lassen. „Natürlich, gewiß, selbstvers-tändlich!“ beeilte er sich zu sagen, damit niemand denke, er sei zwar fein, aber beschränkt. Hierher gekommen nun freilich in einer bestimmten sachlichen Sendung, nämlich mit dem Auftrage und der Absicht, energisch nach dem Rechten zu sehen, den säumigen jungen Verwandten, wie er sich innerlich ausdrückte, „loszueisen“ und daheim wieder einzuliefern, war er sich doch wohl bewußt, auf fremdem Boden zu operieren, – schon im ersten Augenblicke empfindlich von der Ahnung berührt, daß eine Welt und Sittensphäre ihn als Gast aufgenommen habe, die an geschlossener Selbstsicherheit seiner eigenen nicht nur nicht nachstand, sondern sie sogar noch darin übertraf, so daß seine Geschäftsenergie sofort in Zwiespalt mit seiner Wohlerzogenheit geriet und zwar in einen sehr schweren; denn die Selbstgewißheit der Wirtssphäre erwies sich als wahrhaft erdrückend.

Dies eben hatte Hans Castorp vorausgesehen, als er des Konsuls Telegramm innerlich mit gelassenem „Bitte sehr!“ beantwortet hatte; aber man muß nicht denken, daß er bewußt die Charakterstärke der Umwelt gegen seinen Onkel ausgenutzt hätte. Dazu war er längst zu sehr ein Teil von ihr, und nicht er bediente sich ihrer gegen den Angreifer, sondern umgekehrt, so daß alles sich in sachlicher Einfalt vollzog, von dem Augenblick an, wo eine erste Ahnung der Aussichtslosigkeit seines Unternehmens den Konsul von seines Neffen Person her unbestimmt angeweht hatte, bis zum Ende und Ausgang, das mit einem melancholischen Lächeln zu begleiten Hans Castorp denn freilich doch nicht umhin konnte.

Am ersten Morgen nach dem Frühstück, bei welchem der Eingesessene den Hospitanten mit der Korona der Tischgenossenschaft bekannt gemacht hatte, erfuhr Tienappel von Hofrat Behrens, der lang und bunt, gefolgt von dem schwarzbleichen Assistenten, in den Saal gerudert kam, um mit seiner rhetorischen Morgenfrage „Fein geschlafen?“ flüchtig darin herumzustreichen, – erfuhr er, sagen wir, vom Hofrate nicht nur, daß es eine glanzvolle Bieridee von ihm gewesen sei, dem vereinsamten Neveu hier oben ein bißchen Gesellschaft zu leisten, sondern daß er auch im ureigensten Interesse sehr recht daran tue, da er ja offenbar total anämisch sei. – Anämisch, er, Tienappel? – Na, und ob! sagte Behrens und zog ihm mit dem Zeigefinger ein unteres Augenlid herunter. Hochgradig! sagte er. Der Herr Onkel werde direkt schlau handeln, wenn er es sich für ein paar Wochen hier auf seinem Balkon der Länge nach bequem mache und überhaupt in allen Stücken dem Vorbilde seines Neffen nachstrebe. In seinem Zustande könne man gar nichts Aufgeweckteres tun, als mal eine Weile so zu leben, wie bei leichter tuberculosis pulmonum, die übrigens immer vorhanden sei. – „Gewiß, selbstvers-tändlich!“ sagte der Konsul rasch und blickte dem hochnackig Davonrudernden noch eine Weile eifrig-höflich geöffneten Mundes nach, während sein Neffe gelassen und abgebrüht neben ihm stand. Dann traten sie den Lustwandel zur Bank an der Wasserrinne an, der das Gegebene war, und danach hielt James Tienappel seine erste Liegestunde, angeleitet von Hans Castorp, der ihm zum mitgebrachten Plaid die eine seiner Kameldecken lieh – er selbst hatte in Anbetracht des schönen Herbstwetters an einer reichlich genug – und ihn in der überlieferten Kunst des Sicheinwickelns Griff für Griff getreulich unterwies, – ja, er löste, nachdem er den Konsul schon zur Mumie gerundet und geglättet, alles noch einmal auf, um ihn auf eigene Hand und nur unter verbessernd einspringender Beihilfe die feststehende Prozedur wiederholen zu lassen, und lehrte ihn, den Leinenschirm am Stuhl zu befestigen und gegen die Sonne zu richten.

Der Konsul witzelte. Noch war der Geist des Flachlandes stark in ihm, und er machte sich lustig über das, was er da erlernte, wie er sich schon über den abgemessenen Lustwandel nach dem Frühstück lustig gemacht hatte. Aber als er das ruhig verständnislose Lächeln sah, mit dem der Neffe seinen Scherzen begegnete und worin die ganze geschlossene Selbstgewißheit der Sittensphäre sich malte, da wurde ihm angst, er fürchtete für seine Geschäftsenergie und beschloß hastig, das entscheidende Gespräch mit dem Hofrat in Sachen seines Neffen sofort, baldmöglichst, schon diesen Nachmittag herbeizuführen, solange er noch Eigengeist, Kräfte von unten zuzusetzen hatte; denn er fühlte, daß diese schwanden, daß der Geist des Ortes mit seiner Wohlerzogenheit einen gefährlichen Feindesbund gegen sie bildete.

Ferner fühlte er, daß ganz unnötigerweise der Hofrat ihm empfohlen hatte, hier oben seiner Anämie wegen sich den Gebräuchen der Kranken anzuschließen: das ergab sich von selbst, es bestand, wie es schien, gar keine andere Denkbarkeit, und wie weit, vermöge Hans Castorps Ruhe und unberührbarer Selbstsicherheit, dies eben nur so schien, wie weit in der Tat und unbedingt genommen nichts anderes möglich und denkbar war, das war für einen wohlerzogenen Menschen von Anfang an nicht zu unterscheiden. Nichts konnte einleuchtender sein, als daß nach der ersten Liegekur das ausgiebige zweite Frühstück erfolgte, aus welchem der Lustwandel nach „Platz“ hinunter überzeugend sich ergab, – und danach wickelte Hans Castorp seinen Onkel wieder ein. Er wickelte ihn ein, das war das Wort. Und in der Herbstsonne, auf einem Stuhl, dessen Bequemlichkeit völlig unbestreitbar, ja höchst rühmenswert war, ließ er ihn liegen, wie er selber lag, bis der erschütternde Gong zu einem Mittagessen im Kreise der Patientenschaft rief, das sich als erstklassig, tip-top und dermaßen ausgiebig erwies, daß der sich anschließende General-Liegedienst mehr als äußerer Brauch, daß er innere Notwendigkeit war und aus persönlichster Überzeugung geübt wurde. So ging es fort bis zum gewaltigen Souper und zur Abendgeselligkeit im Salon mit den optischen Scherzinstrumenten, – es gab gegen eine Tagesordnung, die sich mit so milder Selbstverständlichkeit aufdrängte, ganz einfach nichts zu erinnern, und auch dann hätte sie keine Gelegenheit zu Einwänden geboten, wenn nicht des Konsuls kritische Fähigkeiten durch ein Befinden herabgesetzt gewesen wären, das er nicht geradezu Übelbefinden nennen wollte, das sich aber aus Müdigkeit und Aufregung bei gleichzeitigen Hitze- und Frostgefühlen lästig zusammensetzte.

Zur Herbeiführung der unruhig erwünschten Unterredung mit Hofrat Behrens war der Dienstweg beschritten worden: Hans Castorp hatte beim Bademeister den Antrag gestellt und dieser ihn der Oberin weitergegeben, deren eigentümliche Bekanntschaft Konsul Tienappel bei dieser Gelegenheit machte, dergestalt, daß sie auf seinem Balkon erschien, wo sie ihn liegend fand und durch fremdartige Sitten die Wohlerzogenheit des hilflos walzenförmig Gewickelten stark in Anspruch nahm. Das geehrte Menschenskind, erfuhr er, möge sich gefälligst ein paar Tage gedulden, der Hofrat sei besetzt, Operationen, Generaluntersuchungen, die leidende Menschheit gehe vor, nach christlichen Grundsätzen, und da er ja angeblich gesund sei, so müsse er sich schon daran gewöhnen, daß er hier nicht Nummer Eins sei, sondern zurückstehen und warten müsse. Etwas anderes, wenn er etwa eine Untersuchung beantragen wolle, – worüber sie, Adriatica, sich weiter nicht wundern würde, er solle sie doch mal ansehen, so, Auge in Auge, die seinen seien etwas trübe und flackernd, und wie er da so vor ihr liege, sehe es alles in allem nicht viel anders aus, als ob auch mit ihm nicht alles so ganz in Ordnung sei, nicht so ganz sauber, er solle sie recht verstehen, – und ob es sich nun bei seinem Antrage um eine Untersuchung oder um eine Privatunterhaltung handle. – Um letzteres, selbstvers-tändlich, um eine Privatunterhaltung! versicherte der Liegende. – Dann möge er warten, bis er Bescheid bekomme. Zu Privatunterhaltungen habe der Hofrat selten Zeit.

Kurz, alles ging anders, als James es sich gedacht hatte, und das Gespräch mit der Oberin hatte seinem Gleichgewicht einen nachhaltigen Stoß versetzt. Zu zivilisiert, um dem Neffen, dessen Einigkeit mit den Erscheinungen hier oben aus seiner unberührbaren Ruhe deutlich hervorging, unhöflicherweise zu sagen, wie abschreckend ihm das Frauenzimmer dünkte, klopfte er nur vorsichtig mit der Erkundigung bei ihm an, die Oberin sei wohl eine recht originelle Dame, – was Hans Castorp, nachdem er flüchtig prüfend in die Luft geblickt, ihm halbwegs zugab, indem er die Frage zurückgab, ob die Mylendonk ihm ein Thermometer verkauft habe. – „Nein, mir? Ist das ihre Branche?“ entgegnete der Onkel ... Aber das Schlimme war, wie deutlich aus seines Neffen Miene hervorging, daß er sich auch dann nicht gewundert haben würde, wenn geschehen wäre, wonach er fragte. „Uns friert nicht“, stand in dieser Miene geschrieben. Den Konsul aber fror, ihn fror andauernd bei heißem Kopfe, und er überlegte, daß, wenn die Oberin ihm tatsächlich ein Thermometer angeboten hätte, er es gewiß zurückgewiesen haben würde, daß dies aber am Ende nicht richtig gewesen wäre, da man ein fremdes, zum Beispiel das des Neffen, zivilisierterweise nicht benutzen konnte.

So vergingen einige Tage, vier oder fünf. Das Leben des Sendboten lief auf Schienen, – auf denen, die ihm gelegt waren, und daß es außerhalb ihrer laufen könne, schien keine Denkbarkeit. Der Konsul hatte seine Erlebnisse, gewann seine Eindrücke, – wir wollen ihn nicht weiter dabei belauschen. Er hob eines Tages in Hans Castorps Zimmer ein schwarzes Glasplättchen auf, das unter anderem kleinen Privatbesitz, womit der Inhaber sein reinliches Heim geschmückt, gestützt von einer geschnitzten Miniaturstaffelei, auf der Kommode stand und sich, gegen das Licht erhoben, als photographisches Negativ erwies. „Was ist denn das?“ fragte der Onkel betrachtend ... Er mochte wohl fragen! Das Porträt war ohne Kopf, es war das Skelett eines menschlichen Oberkörpers in nebelhafter Fleischeshülle, – ein weiblicher Torso übrigens, wie sich erkennen ließ. „Das? Ein Souvenir“, antwortete Hans Castorp. Worauf der Onkel „Pardon!“ sagte, das Bildnis auf die Staffelei zurückstellte und sich rasch davon entfernte. Dies nur als Beispiel für seine Erlebnisse und Eindrücke in diesen vier oder fünf Tagen. Auch an einer Conférence des Dr. Krokowski nahm er teil, da es undenkbar war, sich davon auszuschließen. Und was die erstrebte Privatunterhaltung mit Hofrat Behrens betraf, so bekam er am sechsten Tage seinen Willen. Er wurde bestellt und stieg nach dem Frühstück, entschlossen, ein ernstes Wort mit dem Manne wegen seines Neffen und dessen Zeitverbrauchs zu reden, ins Souterrain hinab.

Als er wieder heraufkam, fragte er mit verminderter Stimme: