»Und Albrecht … wird er kommen?« fragte er mit unwillkürlich gedämpfter Stimme …

»Ich hoffe es«, sagte sie, indem sie sich aufmerksam über die kristallene Teebüchse beugte, wie um nichts zu verschütten (und auch er vermied es, sie anzusehen). »Ich habe ihn natürlich gebeten, Klaus Heinrich, aber du weißt, er kann sich nicht binden. Es hängt von seinem Befinden ab, ob er kommt … Ich mache nun erst einmal unsern Tee, denn Albrecht bekommt seine Milch … Übrigens kann es sein, daß auch Jettchen heute ein bißchen vorspricht. Es wird dich freuen, sie wiederzusehen. Das lebhafte Ding weiß immer so viel zu erzählen …«

Mit »Jettchen« war ein Fräulein von Isenschnibbe gemeint, der Fürstin vertraute Dame und Freundin. Sie standen seit Kindestagen auf du und du.

»Und immer gerüstet?« sagte Ditlinde, indem sie den gefüllten Teetopf auf den Untersatz stellte und ihren Bruder betrachtete … »Immer in Uniform, Klaus Heinrich?«

Er stand mit geschlossenen Absätzen und rieb seine linke Hand, die an Kälte litt, in der Höhe der Brust mit der Rechten.

»Ja, Ditlinde, ich habe es gern so, es ist mir lieber. Es sitzt so fest, weißt du, und man ist angezogen. Außerdem ist es billiger, denn eine ordentliche Zivilgarderobe läuft, glaube ich, schrecklich ins Geld, und Schulenburg klagt ohnedies beständig, daß alles so teuer wird. So komm ich mit zwei, drei Röcken aus und kann mich mit Ehren sogar bei meinen reichen Verwandten sehen lassen …«

»Reiche Verwandte!« lachte Ditlinde. »Ja, damit hat es noch gute Weile, Klaus Heinrich!«

Sie setzten sich an den Teetisch, Ditlinde auf die Sofabank, Klaus Heinrich auf einen Stuhl gegenüber dem Fenster.

»Reiche Verwandte!« wiederholte sie, und man sah, wie der Gegenstand sie erwärmte. »Nein, weit gefehlt, wie sollten wir reich sein, wo doch das Barvermögen gering ist und alles in den Unternehmungen steckt, Klaus Heinrich. Und die sind jung und im Werden, sind allesamt noch im Wachstum begriffen, wie mein guter Philipp sagt, und werden wohl erst unsern Nachkommen die vollen Früchte tragen. Aber es geht vorwärts, so viel ist wahr, und ich halte Ordnung in der Wirtschaft …«

»Ja, das tust du, Ditlinde, Ordnung hältst du!«