»Nicht wahr, Sie waren von jeher ein wenig allein und abgesondert?« wiederholte Klaus Heinrich, und Freude klang aus seiner Stimme.
»So sagte ich. Es war ein einigermaßen langweiliges und einfältiges Leben, das ich führte und eigentlich noch führe, denn es hat sich ja nicht vieles geändert und ist im ganzen überall dasselbe. Es gab Gesellschaften mit Kunststernen und Bälle, und manchmal ging es sehr rasch im geschlossenen Automobil zum Opernhaus, woselbst ich in einer der kleinen flachen Logen über dem Parterre saß, um so recht in ganzer Figur gesehen werden zu können, for show, wie man drüben sagt. Das brachte meine Stellung so mit sich.«
»For show?«
»Ja, for show, das ist die Verpflichtung, sich zur Schau zu stellen, keine Mauern gegen die Leute zu ziehen, sondern sie in die Gärten und über den Rasen und auf die Terrasse sehen zu lassen, wo man sitzt und Tee trinkt. Meinem Vater, Mister Spoelmann, war es im höchsten Grade zuwider. Aber unsere Stellung brachte es mit sich.«
»Und wie lebten Sie sonst, Fräulein Imma?«
»Nun, im Frühjahr ging man in die Adirondacks auf das Schloß und im Sommer auf das Schloß in Newport an der See. Es fanden natürlich Gartenpartien und Blumenkorsos und Tennisturniere statt, und man ritt spazieren und fuhr Four in hand oder im Automobil, und die Leute blieben stehen und gafften, weil man Samuel Spoelmanns Tochter war. Und manche schimpften auch hinter mir drein.«
»Sie schimpften?!«
»Ja, sie hatten wohl ihre Beweggründe dazu. Jedenfalls war es ein etwas vorgeschobenes und der Erörterung ausgesetztes Dasein, das wir führten.«
»Und zwischendurch«, sagte er, »spielten Sie in den Lüften, nicht wahr, oder schon außerhalb der Luft, in staubfreier Gegend …«
»So tat ich. Euere Hoheit erfreuen sich eines überaus offenen Kopfes. Aber nach alldem können Sie sich nun denken, wie außerordentlich willkommen mir die Gräfin war, als sie sich in der Fünften Avenue vorstellte. Sie äußerte sich nicht eben sehr deutlich, sondern vielmehr auf geheimnisvolle Weise, und die Grenze, wo sie zu schwatzen beginnt, ist nicht immer ganz klar ersichtlich. Aber das scheint mir eben recht und lehrreich, denn es gibt eine gute Vorstellung von der Grenzenlosigkeit des Elends und der Schlechtigkeit in der Welt. Nicht wahr, Sie beneiden mich um die Gräfin?«