»Nun, beneiden … Sie scheinen anzunehmen, Fräulein Imma, daß ich niemals irgendeinen Einblick getan habe.«
»Haben Sie Einblicke getan?«
»Vielleicht doch den einen oder den andern. Zum Beispiel sind mir von unseren Lakaien Dinge zu Ohren gekommen, von denen Sie sich schwerlich etwas träumen lassen.«
»Sind die Lakaien so schlimm?«
»Schlimm? Nichtswürdig sind sie, das ist das Wort für sie. Erstens treiben sie Durchstecherei und schleichendes Wesen und lassen sich von den Lieferanten bezahlen …«
»Nun, Prinz, das ist vergleichsweise harmlos.«
»Ja, ja, mit den Einblicken der Gräfin kann es sich wohl nicht messen …«
Sie fielen in Trab, verließen beim Wegweiser die gemächlich steigende und fallende Landstraße, die sie zwischen Nadelwäldern hin verfolgt hatten, und lenkten in den sandigen, ein wenig hohlen und auf seinen erhöhten Rändern von Brombeersträuchern eingefaßten Richtweg ein, der in das buschige Wiesengelände von Schloß Fasanerie mündete. Klaus Heinrich war zu Hause in diesem Gebiet; er streckte den Arm darüber hin, den rechten, um seinen Begleiterinnen alles zu zeigen, obgleich nicht viel Sehenswürdiges vorhanden war. Dort lag das Schloß, verschlossen und stumm, mit seinem Schindeldach und seinen Blitzableitern am Rande des Waldes. Dort abseits war das Fasanengehege, nach welchem das Ganze seinen Namen hatte, und hier Stavenüters Wirtsgarten, wo er zuweilen mit Raoul Überbein gesessen hatte. Über den feuchten Wiesen schien mild die Vorfrühlingssonne und tauchte die fernen umgrenzenden Wälder in zarten Schmelz.
Sie hielten nebeneinander auf ihren Tieren vorm Wirtsgarten, und Imma Spoelmann prüfte das Schloß mit den Augen, dies nüchterne Landhaus, das Schloß Fasanerie benannt war.
»Von sinnverwirrendem Prunk«, sagte sie mit gerümpften Lippen, »scheint Ihre Jugend nicht umgeben gewesen zu sein.«