Die Häuser sind von dreierlei Art: europäische, türkisch-egyptische und die Hütten.

Die europäischen Häuser liegen im Frankenviertel. Ein Theil derselben hat flache Dächer oder Söller. Ibrahim-Pascha ließ ansehnliche aufbauen — um einen sehr geräumigen Platz. Ibrahim (Abraham) thut wirklich zur Verschönerung und Belebung der Stadt sehr viel, wobei er durch Beziehung schwerer Hauszinse seine Rechnung recht gut findet. Die Konsulatsgebäude stehen nahe beisammen. Hoch über ihren Dächern flattern die Flaggen, welche dem Abendländer einen sehr wohlthuenden Anblick gewähren, und ihm gleichsam Schutz und Sicherheit zulispeln. Wenn ein Schutzempfohlener stirbt, so wird eine besondere Flagge, doch minder hoch gehißt. Den Söller der hohen fränkischen Häuser heißt man Terrasse, auf der man sich angenehm aufhält. Von derselben erhebt sich ein offenes Thürmchen, Belvedere genannt, und mit Recht, da man darauf eine schöne Aussicht genießt. Man kann auf einem Thürmchen die ganze Stadt und die Häfen übersehen. Die Flachheit der Dächer beklagen manche Europäer. Während der Regenzeit dringt durch das Deck Wasser, welches das Wohnen nicht weniger unangenehm, als ungesund macht.

Man will behaupten, daß der Regen, welcher im Winter tageweise und in starken Güssen anhalte, in Alexandrien von Jahr zu Jahr häufiger falle, und man schreibt dieß den im Weichbilde angepflanzten Bäumen zu. In der That ist der Regen in Mexiko seltener geworden, seit der in seiner Nähe belegene Wald ausgehauen ist. Die Franken scheinen sich zu überzeugen, daß geneigte Dächer zum Bedürfnisse gehören, und während meiner Anwesenheit zog man einen Kanal durch die Frankengasse, um das Regenwasser abzuführen. Weil ohnehin in der Stadt keine Gasse gepflastert ist, so wird der Schmutz, bei starkem Regen, tief und lästig. Ich vermuthe aber, daß man von rascher Abänderung des Klima und vom jährlich zuwachsenden Regen ein wenig träume, wie denn auch die Vorstellung von der sengenden Gluth der egyptischen Sonne bei Manchen übertrieben sein mag. Ich könnte den Doktor Prosper Alpinus[3], der vor zwei Jahrhunderten Egypten bereiset hat, zum Zeugen anrufen. Er bemerkt, daß in einem Theile dieses Landes, wie in Kairo, der Regen eine seltene Erscheinung sei, wogegen es an der Meeresküste, in Alexandrien und Damiat, oft und sehr stark regne. Wenn auch, vor Christo, Pomponius Mela das wahrscheinlich viel baumreichere Egypten ein regenloses Land („terra expers imbrium“) nennt, so darf man wohl immerhin nicht glauben, daß dieß zur Zeit des Autors durchhin wahr sein mochte, sondern vielmehr, daß er die Regenlosigkeit auf einzelne Gegenden bezogen, und diese für das Ganze genommen hat.

Mischten die Egypzier sich nicht in das Schauspiel, wenn man in das am neuen Hafen liegende Frankenquartier kommt, man würde gerne läugnen, daß man den Boden Afrikas unter den Füßen hätte, so sehr ist Alles über den europäischen Leisten geschlagen. Laden an Laden, Kaffeehäuser und zwei Wirthshäuser sorgen für die Bequemlichkeiten der Europäer. Alexandrien ist halb europäisch, halb afrikanisch, und darum erscheint es dem europäischen Ankömmlinge eben so freundlich, als merkwürdig.

Die türkischen Häuser, in der Regel ziemlich niedrig, haben gegen die Gasse einen großen Vorsprung oder Erker, worin man zu faulenzen pflegt; die Fenster werden meist von einem niedlich gearbeiteten engen Holzgitter versehen. Solches kann unter einem milden Himmel gut angehen; allein es dürften nur Kälte und Regen stärker werden, so würden die empfindsamen Bewohner unfehlbar leiden. Manchen Häusern verleiht der Kalk ein schneeichtes Weiß.

Die Hütten zeugen von Einfachheit und Elend. Von der Form eines unordentlich kantigen Würfels, enthält die Hütte bloß ein Gemach, und in dieses führt eine einzige Oeffnung zur Aufnahme der Thüre, welche mit einem hölzernen Schlosse gesperrt werden kann. Wenn man nicht mehr als das Hausgeräthe auf arabisch nennen müßte, so würde man im Nu arabisch verstehen. Der Boden dient als Sessel, als Tisch, als Bettstelle u. dgl., und ist somit ein wahres Wunderding. Mann und Weib, Kinder, Freunde und Verwandte legen sich neben einander, und füllen, wenigstens auf dem Boden, den Raum der Hütte. Die Kleider, womit Manche sich des Tages bedecken, sind im guten Falle die einzige Bettung für die Nacht, und die Leute entkleiden sich in der Regel nur dann, wenn sie der allzu dienstfertigen Kreaturen auf die anständigste Weise los werden wollen. Es soll die Armuth eines Theiles der Alexandriner so groß sein, daß nicht beide, welche eine Hütte bewohnen, ausgehen können, weil sie nur ein Kleid besitzen. Darum warte der eine Elende nackt in der Hütte, bis der andere in dem gemeinschaftlichen Kleide zurücktreffe. Die Hütten sind von Erde aufgeführt und von Farbe schwarzgrau. Sie vermögen lange andauernden Regen nicht zu bestehen. Es ist nicht lange her, daß in einer kalten Regennacht viele Hütten einstürzten; eine Menge obdachloser Bewohner erkrankte und starb. Erst jetzt mochten die Leute den Segen ihres Himmels dankbarer erkennen. Wie viel Schweißtropfen rinnen über die Stirne herunter, bis der Europäer sein Heizungsholz, seine Strümpfe, Schuhe, seine Winterkleider zusammengebracht, bis er seine Wohnung mit allem Nöthigen ausgerüstet hat. Ein Theil der Hütten gefällt sich in der Nähe des vizeköniglichen Palastes. Dort bietet sich die beste Gelegenheit dar, über den schroffsten Gegensatz von „Herr und Unterthan“ Betrachtungen anzustellen. Eine andere Abtheilung von Hütten besetzt den Süden der Stadt, neben den vielen schönen Zisternen des Alterthums, und verspottet die Ruinen, jene Mauern, welche Jahrtausenden widerstanden, und noch die baufälligen Hütten unserer Tage tragen müssen.

Das sind die polsterarmen Hütten, und werden so viele Alexandriner darin geboren, und wo anders strecken sich diese auf das Sterbelager? Und doch werden die polsterreichen Europäer mit nicht minder Schmerzen geboren, und doch müssen sie auch sterben, todt werden müssen sie trotz ihrer Eiderdunen.

Krankenhäuser.

Das europäische, das am Mahmudiehkanal, das auf dem Ras-el-tin und die Observationshütten.

Das europäische Krankenhaus ist für die Europäer bestimmt, wie schon der Name bezeichnet. Es liegt, von kleinen Araber-Hütten auf der einen Seite umgeben, unweit des Frankenquartiers. Das Gebäude, nach europäischem Geschmack, nimmt sich für das Auge recht gut aus[4]. So weit mir ein Blick in das Krankenhaus, das wenigstens eine gute Verwaltung ankündigt, vergönnt war, schöpfte ich die Ueberzeugung, daß der Europäer in seinen kranken Tagen hier gut verpflegt wird, und in dieser Beziehung Europa ihn nicht mit schmerzlichen Erinnerungen quält. Diejenigen, welche mehr (täglich einen levantischen Thaler) bezahlen, bekommen ein eigenes Zimmer, damit ihren Wünschen noch besser entsprochen werden könne. Was vielleicht am hemmendsten auf die Unternehmung einer Reise ins Morgenland wirkt, ist die Vorstellung von der Verlassenheit und den Scheusalen in den kranken Tagen; die Bemerkungen über die Krankenanstalt aber können kaum verfehlen, diese irrige Vorstellung zu verdrängen.