In Europa fehlt es nicht an gutem Kitte für Töpferwaaren; doch hält selten einer längere Zeit, und in die Bauernhäuser fand er den Weg noch nicht. Sehr pfuschermäßig werden bei uns die Bruchstücke mit einem Drahte auf die Weise zusammengeheftet, daß er, nachdem er an beiden Enden sich berührt, gezwirnet, und an das Gefäß gedrückt wird.

Was ist denn das für eine Bude? fragte ich mich, als ich darin einen Haufen gemalter Scherben, davon die meisten von Porzellan, erblickte. Ein Mann hockte an der einen Wand, und bog den rechten Fuß auf den linken Schenkel. Er legte eine Scherbe auf die große Zehe, an der Stelle, wo er bohren wollte. Ohne jene mit einer Hand zu fixiren, setzte er den Bohrer an. Diesen brachte er mit einer Art Geigenbogen in Bewegung. Nämlich die Schnur des letztern umschlang den Bohrer einmal, ungefähr in der Mitte, und indem der Arbeiter den Bogen hin- und herbewegte, drehte sich der Bohrer bald rechts, bald links um die Achse. Das Loch ließ der gewandte Handwerker nicht durchdringen. Nachdem zu den Seiten des Bruches ein Loch neben dem andern angebracht war, wurde der klammerförmige Draht, indem er quer über den Bruch sich zog, unter sanften Schlägen eingehämmert. Die Bruch- und Bohrstelle bestrich der Tausendkünstler mit einem Kitte, welchen er sogleich bereitete. Er knetete bloß Eierklar und Gips ohne Feuer zu einem Teige. Ich darf nicht erst beifügen, daß die Hefte beinahe niedlich aussahen, und an der innern Seite des Gefässes nahm man sie nicht einmal wahr, eben weil die Bohröffnungen nicht durchdrangen. Die fleißige Arbeit verfehlt den Beifall nicht, und schiene sie selbst ihrer Geringfügigkeit willen keinen Fleiß zu verdienen.

Die Missionarien.

Das protestantische Frommthum und Frommthun bewacht Kairo mit nicht weniger denn drei Missionarien, und zwar mit lauter Teutschen: Kruse, Lieder und Müller. Ich erblickte in diesem Missionariate weniger minder, als protestantischen Luxus. Die vielen Bemühungen, bisweilen nicht ohne übertriebenen Eifer, werden äußerst selten mit einer Bekehrung belohnt. Auch darf das Christenthum nicht durch die Zahl seiner Bekenner nach einem arithmetischen Scheinwerthe gelüsten, sondern es soll durch seinen innern Reinwerth glänzen.

Den in Kairo angekommenen und niedergelassenen Fremden aus dem Abendlande, mögen die Missionarien nicht überflüssig erscheinen. Wenn der Ankömmling nicht gerne in das Gewühl der fränkischen Kumpanei sich wagt, so kann er sicher sein, bei diesen Männern gute Gesellschaft zu finden. Er leite das Gespräche nur anfänglich so, daß sie ihn nicht mit überfrommen Dingen bestürmen. Nirgends stieße man sonst auf größeren Kontrast. Dießseits die Jesusherzeleien, jenseits die unfläthigste und unzüchtigste Zunge und zwischen zwei Enden — — Einsamkeit und Langeweile, wofern man nicht glücklich genug ist, in der Mitte derselben Gleichgesinnten sich anschließen zu können. Mit Lehren und Predigen, Briefeschreiben und Diskuriren verbringen die Missionarien ihre meiste Zeit. Manchem Abendländer helfen sie auch wohlthätig aus der Noth. Der Sonderbarkeit muß ich gedenken, daß das Auditorium der Prediger eben auszusterben im Begriffe war, und daß bloß noch zwei Katholiken, doch mehr aus Liebe zur deutschen Sprache, den protestantischen Predigern zuhörten. Lieder macht auch den Arzt nach den Grundsätzen der Homöopathie. Müller langweilte mich durch seine mystische Deutelei des Hahnemannianismus außerordentlich, und ich überzeugte mich aufs Neue, daß die Homöopathie der Mystizismus der Medizin ist.

Daß die neuen Apostel nicht bloß lehren und predigen, schreiben und diskuriren, liegt in der Natur des Menschen. Ein wohlbestellter Tisch wird nicht etwa nur angeschaut, und Kruse ritt einen ebenso schönen, als prächtig gesattelten Esel. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß man hie und da die Demuth, gleich einem Kruzifix, in Gold einfaßt.

Die Renegaten.

Frankreich schuf die neue Lehre des St. Simonismus. Die Anhänger desselben, in ihrem Vaterlande von allen Seiten beunruhigt, ausgelacht, verspottet, gehaßt, verminderten sich dadurch, daß ein Theil den Wanderstab ergriff. Der Pabst Enfantin und Andere zogen nach Egypten.