Ich wohnte im Frankenquartiere (Hârah el-Musky). Wo? kann ich hier so wenig genau angeben, als ich es vor dem Konsul konnte. Die Franken sagen, bei wem sie wohnen, oder nennen auch einen Hauptplatz, ein Thor u. s. f. Mein Zimmer war so hoch, wie eine Kapelle, und man hätte nur einen Altar bauen dürfen, um in einer wirklichen Kapelle zu wohnen. Eine Fledermaus, welche Nachts herum flog, erfreute sich eines so großen Spielraums, daß sie, hin- und herflatternd, nie nöthig fand, an meinen Kopf zu streifen.

Meine Nahrung und Getränke.

Aus dem gebirgigen und kaltwinterigen Lande Europas in das niedrige und heiße Land der Afrikaner versetzt, nahm ich mir vor, Alles pünktlich zu meiden, was meine Gesundheit beleidigen könnte. Der Magen würde schwerlich unter dem Haupte liegen, wenn er Herr im Leibe sein müßte. Vorzüglich hütete ich mich vor dem Gemüse, vor grünen Früchten, als: Bananen, Granatäpfeln, Datteln, Melonen, so gerne sie mich verführt hätten. Sogar gekochtes Gemüse schlug ich aus. Dadurch war ich an den Tischen freilich nicht wenig geplagt. Man wartet hier mit Fleisch und immer wieder mit Fleisch auf; viel Fleisch aber bekam mir nicht gut. Zudem genießt es der Franke mehrentheils geröstet oder gebraten, daß es leicht Durst verursacht, dem man beinahe um jeden Preis vorbauen soll.

Neben leichtem Fleisch aß ich Reis, mit besonderer Vorliebe Milchreis (riso con latte e zucchero), und nicht selten genoß ich Kartoffeln. Die Fische kostete ich nickt einmal, weil sie Niemand für gesund hält. Des Morgens erquickte ich mich am Milchkaffee, oder ich begnügte mich auch nur mit Milch und Brot. Es trieb in der Frühe ein Araber Ziegen vor die Hausthüre. Wenn ich ein Schnalzen mit der Zunge hörte, so waltete kein Zweifel, daß der Melker angelangt war. Vor meinen Augen molk er mit der geballten Hand, indeß er mit der andern Hand das Gefäß vorhielt. Ich konnte mich überzeugen, daß ich unverfälschte Milch bekomme. Noch warm getrunken schmeckte sie mir köstlich, und ich spürte davon nicht im mindesten nachtheilige Wirkungen. Ich füge dem Gesagten bei, daß die Milch der egyptischen Ziegen mit ihren Schafsohren, angenehmer und milder schmeckt, als diejenige der Schweizerziege.

Mein Hauptgetränke war Nilwasser. Ich trank es meistentheils so, wie es aus dem Flusse kam, bisweilen jedoch mit einem geringen Zusatze von Rhum. Ich wußte recht gut, daß viele Arten von Unreinigkeiten in den Nil fallen. Ich schöpfte mit der Hand aus dem Nil in den durstigen Mund, während Stroh herumschwamm. Was hätte hier zögern und prüfen gefrommt? Durst quälte mich, und mir stand nur ein einziges Wasser zu Gebote. Darum überließ ich das Grübeln Andern, und trank mit Herzenslust. Das Nilwasser ist leicht und schmeckt vortrefflich. Von jeher wurde dessen seiner gesunden Eigenschaft wegen mit Lob gedacht. Es soll selbst auf den Tisch des Sultans in Konstantinopel gesetzt werden. Man will beobachtet haben, daß der Nilschwamm, welcher mit dem Wasser häufig getrunken wird, auf der Haut Knötchen (boutons) erzeuge. Davon nahm ich an mir nichts wahr, ohne daß ich diese Beobachtung in Abrede stellen möchte. Alpinus sagt geradezu, daß sich gewöhnlich alle Ankömmlinge in Kairo eine Diarrhöe zuziehen.

In den fränkischen Wirthshäusern, will sagen, sowohl in dem Gasthause (locanda), als in den Speisehäusern (trattoria), wird viel Wein ausgeschenkt. Ich vermied ihn sorgfältig. Mich wunderte, daß die Franken nach diesem schlechten Getränke, wie es in Kairo beschaffen ist, so begierig haschen, wenn sie auch vor der Schuldenlast nicht wissen, was sie anfangen sollen. Es schlenderten so häßlich berauschte Franken auf der Gasse herum, daß ich mich für sie, des fränkischen Namens willen, schämte. Willkommen war mir dagegen das fränkische Kaffeehaus eines Griechen, wo ich keinen Tag fehlte, um Kaffee zu trinken, dessen man sich unter diesem heißen Himmel nicht enthalten darf. Ich trank ihn meist alla Franca, d. h. mit Zucker, seltener alla Turca, und in letzterem Falle, wie Andere, mit dem Satze, was mir wenig Mühe kostete. Bisweilen genoß ich die köstlich bereitete Orgeade oder eine Limonade.

Nachlese. Bei diesem Anlasse will ich mit wenig Worten meines regiminellen Verhaltens erwähnen. Mehr als die Morgen- und Abendkühle floh ich die Mittagshitze, welche, meines Bedünkens, am schädlichsten wirkt. Der Abendkühle könnte ich nichts Nachtheiliges nachreden. Sie war während meiner Anwesenheit in Kairo nicht vorhanden, sondern es herrschte vielmehr des Abends bis zehn Uhr eine gemäßigte Temperatur, die nicht angenehmer hätte sein können. Wenn ich des Abends, bei der lieblichen Witterung des Wintermonats, im windoffenen Kaffeehause saß, konnte ich das herrliche Klima nicht genug preisen. Außer der Mittagshitze, klage ich allerdings noch die Morgenkühle an. Der Zureisende bringt, gleich den wohlhabenden Einwohnern, die frühen Morgen am besten im Bette zu. Immerhin suchte ich den Unterleib warm zu pflegen, und das Duften der Haut, wenn es einmal begonnen, zu unterhalten. Es sollte Niemanden schwer fallen, eines so großen Gutes willen, wie die Gesundheit ist, in gewissen Schranken zu leben.

Umgebung von Kairo.

Bereits besuchte ich außerhalb der Stadt die Grabmale der Großen (Turâb Kâyd-Bei). Die Umgegend verdient, daß man sich weiter umsehe. Rückerinnerungen an erstere erweckte der Anblick der Todtenstadt el-Seydeh Omm Kâsim.

Reitet man von Altkairo gegen die Burg, so tönt es oft hohl unter den Hufen des Thieres; es scheinen die Geister der grauen Vorwelt zu klagen; man kommt über Schutt, über sandichte Schutthügel, welchen die vielen rothen Ziegelscherben ein scheckiges Ansehen verleihen; es ist Wüste; das Auge erholt sich nicht an einem einzigen grünen Gräschen.