Weil ich noch nie in einer armenischen Kirche war, so hatte ich kein geringes Verlangen, das Kloster der Armenier zu sehen. Ich weiß nicht, mit welchem Rechte man den Namen Kloster gebraucht, da ich eben keine klösterliche Einrichtung fand, wenigstens keine Mönche antraf. Die Kirche stellte einen Saal mit weiß überkalkten Wänden vor, ohne Glocke, ohne Beichtstuhl, ohne Stühle oder Bänke, ohne Seitenaltar. Der Choraltar vergegenwärtigte mir die römisch-katholische Kirche. Als der Führer in die Kirche trat, fuhr er mit der Hand öfter vom Herzen zum Munde, nachdem er sie in einem kleinen Becken benetzt hatte, das an der Mauer sich befand. Ich machte keine Zeremonie, so wenig als ein Muselmann sich in Zeremonien eingelassen hätte, und der Führer glotzte mich sehr seltsam an. Meinerseits konnte ich mich damit nicht befreunden, daß er als Christ im Wesentlichen wie der Mohammetaner gekleidet war. Vom armenischen Kloster wird nördlich Altkairo geschlossen.

Das griechische Kloster und der Altar der heiligen Frau im koptischen Kloster.

Das griechische und koptische Kloster liegen nicht im Umfange von Altkairo, sondern in einiger, wiewohl sehr geringer Entfernung davon, nämlich in Kaser-el-Schàma, und sie bilden mit den um sie gedrängten Häusern ein eigenes Städtchen. Noch nirgends sah ich die Häuser so nahe beisammen, gleichsam auf einander geschoben wie hier. Der Sonnenstrahl kann an den wenigsten Orten die Gasse erreichen. Mir kam es vor, als sei ich von hohen, unförmlichen Felsenriffen umlagert, als wären die ersten Einwohner in der Verwirrung hieher geflüchtet, und als hätten sie sich in der gleichen Verwirrung ihre Gebäude aufgeführt.

Als ich in das griechische Kloster des seligen Georgius kam, wollte ich gleich wieder umkehren; denn es zeugte hier das wenigste von einem Kloster. Wie in der Verborgenheit fand sich auf dem anderobersten Stockwerke die griechische Kirche, die ich nur flüchtig anschaute. Mehr sprach mich einen Stock weiter unten eine Säulenhalle an. Ich entscheide nicht, ob ich mich glücklich preisen soll, daß ich keines griechischen Priesters ansichtig werden konnte[24].

Nicht weit vom griechischen Kloster liegt, an einer sehr schmalen Gasse, das koptische zum seligen Sergius. Ich war schon ein Stockwerk hoch und kehrte wieder um, weil sich mir nichts Klösterliches darbieten wollte. Mein Geruchsorgan hatte sich an den Weihrauch und an das Kellerichte feuchter Mauern, denen man in den Klöstern der Lateiner begegnet, so sehr gewöhnt, daß ich an kein Kloster glaubte, wenn jene fehlen. Doch alsbald trat ein alter, langbärtiger Mann mit einem Turban daher; er hielt in seiner Hand einen großen, hölzernen Schlüssel, mit dem er rüttelnd das Schloß öffnete. Ich war in hohem Maße gespannt, die koptische Kirche zu sehen. Was ich von ihr sagen muß — — sie ist nicht schön, und im Zerfalle begriffen; vor dem Altare erhob sich etwas Pultartiges wie bei den Griechen; am Altare selbst nahm ich das Christusbild nicht wahr. Mehrere Bilder, z. B. eines, welches die Jesum auf dem Schooße haltende Maria vorstellte, waren um den Altar auf eine zu überladene Weise gehängt, sogar wenn sie keine Stümpereien gewesen wären. Ist es wohl dem heiligen Zwecke gemäß, daß ehrfurchtsvolle Erinnerungen durch stümperhafte Bilder beleidigt werden? Nur blinder Fanatismus, verbunden mit krasser Unwissenheit auf dem Gebiete der Kunst, kann an geweihter Stätte Fratzen leiden.

Zwei Treppen führen in ein Gewölbe, an den Ort, wohin die heilige Frau mit Josef und dem Christuskinde geflohen sein soll. Am Lichte einer Kerze stieg ich hinunter. Vergebens, daß man hier eine Grotte oder Höhle suche. Alles ist Mauerwerk. Zudem müßte, meines Erinnerns, die Höhle eine überirdische sein, weil die Kirche einen Stock hoch liegt, und man gerade ebenso tief bis zu jener hinabsteigen muß. Die Katholiken und Kopten haben ihre Verehrungsstellen durch eine Mauer gesondert, und, um recht billig zu sein, möchte ich fragen: Wer weiß es, daß die gefeierten Flüchtlinge gerade die Stelle am meisten berührt haben, welche die Eifersucht der in verschiedenen Meinungen lebenden Christen mit einer Mauer zudeckte? Den Lateinern gehört ein kleines, ganz niedriges Gewölbe, auf dessen Boden ein Kreuz eingegraben ist. Davor hängt ein Oelgemälde auf Holz, welches die heilige Familie vorstellt. Die Kopten besitzen ebenfalls ein Gewölbe, auf dessen Boden aber ein viereckiger Stein oder ein Altar ohne ein Zeichen steht.

Beim Herausgehen aus der Kirche fielen mir in einem Winkel mehrere Krücken auf. Sie werden von denjenigen, welche während des langen Gebetes durch Stehen müde geworden sind, als eine Stütze gebraucht.

Der Tempel A’mrus.

Bei dem alten Kairo liegt die älteste Moschee des Mohammetanismus, nach ihrem Gründer A’mru genannt. Sie ist bereits verlassen, und leicht wird den Andersgläubigen der Zutritt gestattet. Ich möchte diese Moschee, von der noch zwei Thürme emporstreben, den Säulentempel nennen; denn durch die Zahl der Säulen, welche auf 244 ansteigt, hat sie etwas Ueberraschendes. In den Tempel getreten, und der Blick wird gleichsam irre vor der Menge der Säulen. Die Eingangsseite, so wie die östliche und westliche Seite sind zwar nicht sehr breit, wohl aber die mittägliche, die allein über hundert Säulen zählt. Die Mitte zwischen den Säulenhallen steht unter freiem Gotteshimmel, und in diesem offenem Raume des Tempels bietet ein Kuppelbrunnen ein freundliches Aussehen. Die Kuppel wölbt sich über ein Becken voll Wassers, und den Brunnen umgibt außen eine Reihe kleiner Röhren, welche mit dem Wasserbecken in Verbindung gebracht sind. Ich zog den Stöpfel einer solchen Röhre und das Wasser quoll sogleich heraus. Dieser Brunnen dient den Mohammetanern zu der religiösen Handlung der Waschungen. In der Nähe des Brunnens erholt sich der trümmermüde Beobachter an dem Grün einer Palme, und gleich daneben an den Blüthen eines andern, in eine Mauer eingesperrten Baumes. Diese Bäume werden unzweifelhaft für heilig gehalten. Vermag das Abendland auch unter freiem Himmel aufwachsende Bäume in den Kirchen aufzuweisen? Die mittägliche Seite der Gâma’ A’mrus will als der eigentliche Tempel betrachtet werden. Gegen den offenen Hofraum findet sich eine kleine Emporkirche von mühsam gearbeitetem Holze. An der Mauer erhebt sich in der Mitte eine Kanzel (Mambar) ebenfalls von Holz. Weiter greifen in die Mauer etliche Nischen (Mahrab). Nach den Mahrab wendet sich das Volk beim Beten, indem sie genau die Lage der Kâba in der großen Moschee zu Mekka angeben. Vom platten Dache hängen Vorrichtungen zur Beleuchtung herunter. Der Hauptkarakter der Kirche ist ein frohmüthiger, offener, und der völlig entgegengesetzte mancher katholischer Kirchen, in welche das Sonnenlicht erst fallen darf, nachdem es durch farbige Scheiben gebrochen worden. Oder nicht zufrieden mit dem Düsterlichte in der Kirche, welches zur Wehmuth stimmt, gräbt man sich Kapellen, um während des Tages die Nacht heraufzubeschwören, welche man durch ein künstliches, von vielen Seiten her zusammengebetetes Lichtchen erhellt. Das Licht der Sonne, als Geschenk des Himmels, wird sonderbarerweise ungern gelitten.

Um auf die Säulen zurückzugehen, so sind, wo nicht alle, doch die meisten antik. An vielen haben sich die korinthischen Knäufe recht schön erhalten. Von Säule zu Säule springt ein Bogen. Eine Reihe Säulen ist am offenen Raume verwittert. Es scheint, der saumselige Vizekönig erwarte eine Subskripzion von Seite abendländischer Christen, um die älteste Moschee Egyptens vor gänzlicher Zertrümmerung zu retten. Schwerlich macht der herschende Moslim das Vernachlässigte dadurch gut, daß er mit den Großen, Beamteten und Offizieren des Reichs jährlich einmal die greise Gâma’ des Helden A’mru besucht. Aeußerer Pomp wird von der Welt oft für innige Herzlichkeit tausch- oder täuschweise gegeben und genommen.