Tages darauf trat ich meinen Rückweg an. Ein kühler Wind wehte sogar noch Mittags. Bald sah ich den erwähnten Obelisken, weiter oben die Pyramiden von Gizeh, dann den Mokatam, und aus ziemlicher Ferne schon Kairo. Den Weg belagerten mehrere Bettler, die aber, bequemer oder anständiger als die unsrigen in der Schweiz, nicht nachrannten. Ein Knabe legte es darauf an, durch seine Klumpfüße Mitleiden zu erwecken. Der auffallendste Bettler hielt sich behaglich in einer kleinen Höhle auf, die mit einem löcherigen Dache versehen war. Beinahe immer lief mein Eseltreiber den weiten Weg. Den Lauf setzen die Eseltreiber vier Stunden lang an Einem fort, während die Hitze den nördlichen Europäer gleichsam erdrückt. Die Uebung hat jene Leute gestählt.

Wie gestern Nebel, so verdunkelten heute die Atmosphäre herumfliegender Sand und schwarze, regnerische Wolken, an deren Schatten ich beinahe bis Kairo ritt, und zwar ein Stück weit neben dem Direktor Ammon, der sich freundlich anließ. Ich traf gerade Mittags im Frankenviertel ein. Ich begrüßte es mit ebenso froher Stimmung des Gemüthes, als ich der Gegend von Abusabel mein Lebewohl sagte. Es ist schwer, zu begreifen, daß Mehemet-Ali die medizinische Lehranstalt der Hauptstadt so weit entrückte. Großköpfe sind mit Querköpfen nicht selten verwandt. Jede Berührung mit wissenschaftlichen oder gebildeten Leuten hätte den Professoren sowohl, als den Studenten leicht gemacht werden sollen. Was entbietet ein elendes Dorf armseliger Araber?

Geschichtlicher Rückflug nach Mattarieh.

Prosper Alpinus erzählt: In „el-Mattharia“ wird eine gewisse Sykomore besucht, welche von den Einwohnern für so heilig gehalten wird, daß es bei ihnen eine ausgemachte Sache ist, es habe die Frau Maria, um dem Zorne des Herodes von Jerusalem zu entgehen, in eine Höhle des Stammes sich geflüchtet und dort das Kind Christus, unsern Heiland, für einige Tage verborgen. Es wird daher dieser Baum von Vielen in hohen Ehren gehalten; dieß gilt zumal von den Aushöhlungen desselben, welche Christus bargen. Fabelhaft ist, was Matthiolus anführt, daß die Stämme und Aeste des Baumes nie verdorren, wenn sie zuvor ins Wasser getaucht werden, und darin eine Zeitlang liegen bleiben. — Der Pascha von Egypten, des Namens Messir, besuchte in der letzten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts aus Verehrung der gottseligen Frau den Ort el-Mattharia an jedem Freitage, als dem Sonntage der Mohammetaner, und er pflegte daselbst sein Gebet zu verrichten. So weit Alpinus.

Hören wir noch einen andern Naturforscher, Johann Wesling, welcher im dritten Jahrzehn des siebzehnten Jahrhunderts in Kairo lebte: „El-Mataaria“ ist ein Garten um Memphis, ein hehrer Name durch die Verehrung der Christen. Dort treibt eine ungeheure Sykomore, umdämmt mit einer niedrigen Rasenbank zur Bequemlichkeit der Besuchenden, und ehrwürdig, wegen des von Alpinus angegebenen Grundes, schon seit anderthalb Jahrtausenden in den Augen der Christen. Munter grünen die Zweige, obschon der Stamm über dem Wurzelstocke auf eine häßliche Weise zerstümmelt ist, weil diejenigen, welche den Baum mit dem Kusse benetzen, ein Stück davon, aus thörichter Liebe zu Reliquien, wegschneiden, während es doch besser wäre, den Baum in fromm ehrendem Gedächtnisse zu bewahren. (Joannis Veslingii Mindani de plantis Aegyptiis observationes et notae ad Prosperum Alpinum. Patavii ap. P. Frambottum 1638. P. 10.)

Abenteuerlicher Ritt nach den Pyramiden von Gizeh.

Ich fragte oft und oft nach Gesellschaft, um in solcher die Pyramiden von Gîsa zu besuchen. Vergebens. Da wählte ich einen Eseltreiber, der etwas italienisch verstand, und brach, auf guten Ritt hoffend, am Mittage des fünften Wintermonates auf. Noch aber war ich nicht auf dem Esbekiehplatze, als er seinen rothäugigen Bruder mir zurückließ. Zudem war dieser in Aussehen und Wahrheit kreuzdumm, und mehr als buono konnte er kaum etwas vom Italienischen.

In Gottes Namen — vorwärts. In Altkairo über den Nil gefahren, gelangte ich zu einem Graben. Jetzt sprang mein Esel hinüber, er fiel und ich mit ihm. Erste Stazion des Elendes.