| Höhe, | 456′ 3″ 2‴ | Wiener-Maß. |
| Kante, | 689′ 6″ 6‴ | „ |
| Apothem, | 584′ 8″ 8‴ | „ |
| Basis, | 710′ 1″ 7‴ | „ |
Der Flächeninhalt der Basis beträgt:
57,804′ 8″ 3‴ Wiener-Maß.
An den Pyramiden bewundert man mehr die Masse und Ausdauer der menschlichen Leibeskräfte, als die Feinheit und den Geschmack der menschlichen Geisteskräfte. Wenn man die ungeheuern Granitblöcke auf einander geschichtet sieht, so drängt sich zuerst die Frage auf: Wie war es möglich, dergleichen Lasten herbeizuschaffen? Darüber zu erstaunen, hat man nicht das größte Recht. Sobald man über viel Menschenkräfte und Hilfsmittel verfügen kann, läßt sich Großes vollenden. Vielleicht hält es nirgends leichter, mehr Menschenkräfte für Anderes, als für Brot und Hülle und Obdach zu verwenden, wie in Egypten. Denn der Boden gibt leicht und üppig; die Sonne übernimmt so viel Tagewerke, daß zur Erwärmung des Körpers, in und außer der Wohnung, wenig benöthiget wird u. dgl. Es kann nicht fehlen, daß, bei solcher Bewandtniß der Dinge, viel Hände, oder doch die Hände viel Zeit müßig bleiben. Wem entschwebt nicht die Muthmaßung, daß die Pharaonen den Müßiggang der Unterthanen als Quelle von Nachtheilen für den Einzelnen und als Träger von Gefährden für den, Staat ansahen, und daß sie darum auf Mittel sannen, um den Müßiggang nützlich abzuleiten? Ein Machtwort ohne Grund würde wahrscheinlich Murren unter dem Volke erzeugt haben; sie warfen den Mantel der Religion über die tief liegenden Plane, und es entstanden die größten, massivsten, wenn gleich nicht die kunstreichsten Grabmäler unsers Erdkreises. Die Pyramiden sind Grabhügel. Und so sagte ich treu, was ich einmal meine.
Jede der vier äußern Flächen der großen Pyramide läuft in Stufen bis auf die Spitze. Diese kann von außen leicht bestiegen werden; allein weil sie eben vom Nebel umschlichen war, leistete ich auf das Besteigen, als ein eiteles Geschäft, Verzicht. Hier wollte ich ebenso wenig die Rolle eines Engländers spielen, was ich gerne und offen gestehe.
Man wollte schon an dem Vorabende Bagschisch (Geschenk), darauf in, dann außer der Pyramide, und später, als ich gegen eine ihrer Schwestern fortritt. Hier konnte ich die Leute nicht mehr mit dem Versprechen beschwichtigen, daß ich am Ende ausbezahlen wolle. Ich hatte in Kairo nur so viel Geld eingesteckt, um den Eseltreiber und etwa zwei Führer aus dem letzten Dorfe befriedigen zu können, von der Ansicht geleitet, daß, bei meiner Unbekanntschaft mit der arabischen Sprache, alles Geld mir aus der Tasche geschwatzt werden könnte. Für die Milch bezahlte ich über Maßen. Jetzt schon war meine ganze Baarschaft auf vier Piaster heruntergeschmolzen. Einer der Führer fiel meinem Esel in den Zügel. Ich zeigte all’ mein Geld, und bezeugte, daß ich nicht mehr bei mir habe, daß ich aber das einzige Vierpiasterstück glatterdings nicht entübrigen könne, weil ich an einigen Orten für das Fahren über das Nilwasser bezahlen müsse, welche Kosten nicht vorangeschlagen waren, und weil ich ohne Geld nicht einmal zurückkehren könnte; es solle einer der drei Männer mich nach Kairo begleiten, wo ich dann denselben und zu seinen Händen auch die Uebrigen gehörig zufrieden stellen werde. Ich kann nicht glauben, daß ich verstanden wurde; denn man gab dem Anerbieten kein Gehör, und schwatzte mir das Goldstück und meinen Zucker aus der Tasche. Man ließ zu guter Letzte den Zügel los. Sechste Stazion des Elendes.
Ich ritt weiter, sah indessen keine Pyramide mehr an; selbst thäte ich den ungeheuern Androsphinx mit schelen Blicken regaliren, als ich, seinen Hügel von Kopf zur Linken, über den Rücken ritt, den tiefer Sand begräbt[28]. Ich seufzte unter dem Joche des Mißmuthes. Meine Beschützer gingen sämmtlich hinweg, und, allein mit dem Eseltreiber, sollte ich nach Kairo ohne Geld, durch Nebel, über Wüste und durch Wasser. Von meiner Unpäßlichkeit ohnedieß gereizt, hörte ich schon einige Krankheiten an der Pforte meiner Gesundheit pochen; ich rechnete hin und her, wie ich meine Peitsche zum Kaufe weggeben werde, um über das größere Wasser zu setzen u. s. f. Kurz, es war Nacht in meinem Gemüthe. Je fester Jemanden die gewöhnlichen Auswege versperrt werden, desto gewisser rafft er seine Kräfte zusammen, um ungewöhnliche ausfindig zu machen.
Plötzlich ging ein Stern der Hoffnung auf. Ich hatte die Gewohnheit, in einer Geheimtasche in Papier gepacktes Gold mitzunehmen. Ich wußte, daß das Päckchen fehlte; indeß dachte ich, daß ein Stück herausgefallen sein könnte. Ich spürte nach und, o holdes Glück, richtig glitt mir ein Goldstück in die Finger. Ich fühlte mich nun reicher, als hätte ich über Millionen zu gebieten, weil ich die Mittel besaß, fortan in pekuniärer Beziehung sorgenfrei nach Kairo zu ziehen. Daß der Begriff von Reichthum sehr relativ sei, mag einen Theil der Reichen verdrießen, aber doch die minder Begüterten trösten.
Zudem wählte der Eseltreiber einen andern und bessern Weg. Er richtete sich mehr gegen Mittag, und die Pyramiden von Sakâra rückten ziemlich nahe. Es war angenehm, über die vielen Dämme zu reiten; Wasser rechts und links; bald Feld, das aus dem Wasser eben auftauchte, noch naß, doch vom Fellachen betreten, bald Früchte tragendes Land. Ich konnte mich nie lebhafter als heute überzeugen, wie vielfach die Verbindungen zwischen den Dörfern von der Nilüberschwemmung erschwert werden. Der Weg führte über mehrere Brücken, unter welchen das Wasser rauschte, als wäre es fließend.
Die Ueberschwemmungszeit ist der Winter Egyptens und das Ueberschwemmungswasser der Winterschnee. Der Schnee ist auch Wasser, bloß gefrorenes. Wenn das Wasser abgeflossen, kommt der Frühling; so wenn der Schnee geschmolzen. Beide, Wasser und Schnee, decken das Erdreich.